Den Mietern aus dem Hoock 7 reicht es. Denn das Nachbargrundstück wird seit Jahren als Lagerplatz für Aushub, Pflastersteine und Kies genutzt, wenn in der Innenstadt Straßen oder Plätze saniert werden. Baufahrzeuge sorgen für Lärm und Staub.

Stendal l Im vergangenen Jahr der Birkenhagen und der Winckelmannplatz, jetzt die Rohrstraße und die Marienkirchstraße - in Stendals Innenstadt tut sich einiges. Die Freude darüber ist zumindest bei den Bewohnern des Hauses Hoock 7 getrübt. Viele von ihnen sind im Rentenalter und bewusst in dieses Haus gezogen, das Service-Wohnen mit entsprechenden Wohnungen, mit Fahrstuhl, Gemeinschaftsraum und einem Garten bietet. Was in den Sommermonaten allerdings nicht geboten wird, ist Ruhe.

Denn das Nachbargrundstück gehört der Hansestadt Stendal. Und die nutzt das Areal immer dann, wenn innerstädtisch an Straßen und Plätzen gebaut wird, als Lagerplatz. Dann fahren die Lastwagen Aushub, Kies, Steine und anderes an, transportieren es wieder ab, wenn es auf der Baustelle benötigt wird. Pflastersteine, so erzählen Mieter, werden beim Aufladen ordentlich geschüttelt, damit der Sand abfällt. Und sie erzählen, dass selbst an Sonnabenden schon um 6.30 Uhr Baufahrzeuge angerückt seien. Das alles macht Lärm und Staub.

Hiltrud Gaul, Klaus Fiedler und Erika Kostmann wandten sich darum Ende vergangenen Jahres an die Stadt, stellten sich im Fachausschuss vor. Damals wurde ihnen gesagt, dass die Stadt ihr Grundstück dafür nutzen darf. Klaus Fiedler schrieb daraufhin an die Bauabteilung im Landesverwaltungsamt. Auch von dort gab es die Antwort: Die Baustelleneinrichtung seitens der Stadt ist nicht zu beanstanden.

"Das ist nicht einsehbar für mich", sagt Klaus Fiedler, "und aus meiner Sicht auch unzumutbar. Seit drei Jahren haben wir jetzt mit dem Baulärm zu tun." Und damit, dass die Gläser im Schrank wackeln, wenn schwere Transporter vorbeifahren, ergänzt Hiltrud Gaul.

Im vergangenen Jahr war der Bauschutt direkt am Zaun, also an der Grundstücksgrenze abgeladen worden. Für dieses Jahr haben die Mieter selbst eine kleine Entspannung organisiert. Sie sprachen ihre Vermieterin an. Die stellt ein von ihr ungenutztes Grundstück daneben als Lagerplatz zur Verfügung, so dass diesmal der Sandhaufen nicht direkt am Zaun abgekippt werden muss. Auf die Beschwerden hin war der Sandberg im vergangenen Jahr während der trockenen Tage auch ein- oder zweimal mit Wasser befeuchtet worden, damit es nicht so staubt.

Doch die Mieter wünschen sich einen gänzlich anderen Standort. Denn für die nächsten Jahre sind weitere Arbeiten in der Innenstadt geplant, zum Beispiel am Marktplatz.

In der Stadtverwaltung ist das Problem der Anwohner bekannt. Leider gebe es "kaum Alternativen für die derzeit abzuarbeitenden Baumaßnahmen in der Innenstadt", erklärte Stadtsprecher Klaus Ortmann auf Nachfrage. Um die Kosten gering zu halten, werden für die zeitweilige Materiallagerung möglichst Flächen in der Nähe genutzt.

Der Ausbau der Rohrstraße in den geplanten Abschnitten, später dann die notwendige Erschließung und der Ausbau des Karnipp "werden leider immer auch mit Einschränkungen und Belästigungen für die Anwohner verbunden sein. Die ausführenden Firmen werden aufgefordert, diese Belastungen zu minimieren", so Ortmann.

Auf der besagten Brache im Karnipp sollen perspektivisch Wohngebäude entstehen. Es gibt Interessenten, eine Wiederbebauung mit Wohnhäusern in den nächsten Jahren sei durchaus realistisch, sagte der Stadtsprecher: "Dann wird dieses Areal mit sanierten Straßen und neuen Wohnhäusern ganz sicher zu den schönen Wohngegenden der Stendaler Innenstadt zählen."

Diesen Hausbau-Lärm nehmen die Anwohner in Kauf. "Damit müssen wir leben, dafür wohnen wir ja in einem Wohngebiet", sagt Hiltrud Gaul.