Stendal (wbi) l Ganz verdutzt schaute ein 32-jähriger Havelberger, als ihm, der zum Prozess als Angeklagter wegen des Diebstahls eines Fahrradanhängers ins Stendaler Amtsgericht gekommen war, von zwei Polizeibeamten im Saal 303 Handschellen angelegt wurden. Er wurde mit Haftbefehl in anderer Sache gesucht.

Wegen Diebstahls im besonders schweren Fall hatte ihn die Berufungskammer am Landgericht Stendal erst im Januar dieses Jahres zu einem Jahr Gefängnis verurteilt (die Volksstimme berichtete). Die danach folgende Einladung der Justizvollzugsanstalt (JVA) zum Antritt der Freiheitsstrafe ließ er unbeachtet. Daraufhin erließ das Amtsgericht Haftbefehl. Die Polizei wurde seiner aber nicht habhaft. Offenbar war der mehrfach Vorbestrafte der Annahme, dass sich die Justiz einfach austricksen lässt. Vielleicht wollte er es auch nur darauf ankommen lassen. Das blieb offen. "Ich habe ein Schreiben zum Haftantritt im September", versuchte er seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. "Ja, wo denn", wollte Strafrichterin Petra Ludwig wissen. "Nicht dabei", bekam sie zur Antwort. Netter Versuch, stimmte aber nicht, wie die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bekundete.

Und so musste der 32-Jährige in einem Streifenwagen Platz nehmen, der ihn zum Haftantritt in die zuständige JVA brachte.

Der angeklagte Diebstahl des Fahrradanhängers wurde übrigens im Hinblick auf die einjährige Haftstrafe wegen Geringfügigkeit eingestellt. Wie gesagt, dumm gelaufen.