Alle paar Jahre melden sich die ehemaligen Eisenwerker, die heute im Seniorenarbeitskreis der IG Metall um Vorsitzenden Peter Müller organisiert sind, zu einem Besuch in der mittlerweile hochmodernen Gießerei "TechnoGuss" an. Dieses Mal waren es mit 75 Teilnehmern besonders viele Interessierte, die Geschäftführer Rüdiger Schulz an der Gießereistraße begrüßte.

Tangerhütte. "Es freut mich sehr, viele alte Gesichter wiederzusehen, es sind ja inzwischen doch ein paar Jahre vergangen", so begann Rüdiger Schulz seine Begrüßung. Er selbst sei inzwischen 36 Jahre im Betrieb, erklärte er weiter, bevor er einen Überblick über die wirtschaftliche Lage und die heutige Art zu arbeiten gab. Nachdem 2009 und 2010 "sehr kompliziert" verlaufen, und die Wirtschaftskrise auch mit Personalabbau verbunden gewesen sei, habe sich die Auftragslage stabilisiert, und voraussichtlich ab März könne die Kurzarbeit komplett eingestellt werden, berichtete er.

"Die Entwicklung war 2008 sehr gut, dann hat es uns zurückgeworfen, aber wir sind noch da und haben die Klippen der Krise umschifft", sagte er und erntete Applaus von den Besuchern, die sich fast alle auch persönlich mit dem Traditionswerk verbunden fühlen. 168 Mitarbeiter und 22 Auszubildende, davon fünf, die in Kürze fertig und übernommen werden sollen, gehören zum Personal des Unternehmens.

Wurden an der Tangerhütter Gießereistraße im vergangenen Jahr rund 8000 Tonnen Guss produziert, so waren es 2008 noch 13 000 Tonnen. "Wir sind jetzt wieder im Aufwärtstrend und gehen in diesem Jahr von 10 000 Tonnen aus", sagte Schulz. Am Standort Tangerhütte wird seit 1842 Eisenguss produziert, doch sowohl Technik als auch Material haben sich inzwischen stark verändert.

Waren es früher vor allem Massenprodukte in maschineller Fertigung, so sagt Schulz heute: "Wir haben uns auf den Handformguss spezialisiert. Wir sind keine Gießerei für die Automobilproduktion, sondern wir stellen Antriebstechnik vor allem für den modernen Maschinenbau her." Von 100 bis 12 000 Kilogramm schwer seien die vorwiegend handgeformten Gussstücke, die auf Kundenwunsch hergestellt werden. Ein Absperrventil mit einem Innendurchmesser von drei Metern und einem Gewicht von zehn Tonnen sei das schwerste Stück in den vergangenen Monaten gewesen.

Wurde zu DDR-Zeiten fast nur Grauguss hergestellt, so produziert man in der Tangerhütter "TechnoGuss" heute zu 85 Prozent mit sogenanntem Sphäroguss oder Kugelgraphitguss.

Drei Öfen, zwei mit sechs Tonnen Fassungsvermögen und einer mit vier Tonnen, stehen bereit. "Ein Sechs-Tonnen-Ofen erhitzt das kalte Material in 40 Minuten auf 1500 Grad - aber fragen sie nicht nach der Stromrechnung!", scherzte Schulz.

Wurden in den vergangenen Jahren seit 2002, als der gebürtige Iraner Dr. Jamshid Yektai das marode Werk übernahm, bereits 18 Millionen Euro investiert, so soll es jetzt, da die wirtschaftliche Lage besser zu werden scheint, weiter gehen. Zwei neue Kernschussmaschinen mit 100 und 200 Litern Fassungsvermögen, die "die Kernproduktion auf ein völlig neues Niveau" stellen werden, seien bereits bestellt, erzählt Rüdiger Schulz. Kostenpunkt: 1,4 Millionen Euro. Strahlhaus, Farbgebungsanlage, Mischer und Hallen wurden bereits neu gebaut oder angeschafft. Für die ehemaligen Eisenwerker ein schönes Gefühl, dass es am alten Standort auch in Zukunft weitergehen wird.

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