Von Wolfang Biermann

Stendal l Weil sie im alkoholisierten Zustand (3,63 Promille) eine schwangere Krankenschwester im Altmarkklinikum (AMK) Gardelegen in den Unterleib getreten hat, ist eine 48 Jahre alte Frau aus Gardelegen am Donnerstag vom Landgericht Stendal zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á zehn Euro (900 Euro) und zur Zahlung von 800 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden.

Damit revidierte die Berufungskammer unter Vorsitz von Richterin Gudrun Gießelmann-Goetze ein am 27. Februar ergangenes Urteil des Amtsgerichts Gardelegen. Der Strafrichter dort hatte die Frau wegen fahrlässigen Vollrausches zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung und Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro verurteilt.

Gegen das Amtsgerichtsurteil war die Angeklagte in Berufung gegangen. Sie beschränkte die Berufung auf das Strafmaß.

Entschuldigung trotz großer Erinnerungslücken

Die Angeklagte gab an, große Erinnerungslücken zu haben, stritt den Tritt gegen die Krankenschwester aber nicht ab. Im Amtsgericht habe sie sich bei ihr dafür entschuldigt.

Sie habe am 6. September vorigen Jahres ab etwa 14 Uhr in einer Kneipe Bier und Schnaps konsumiert. Wie viel wisse sie nicht mehr, so die Angeklagte. Später habe sie das Lokal gewechselt. Dort sei sie gestürzt und habe sich eine blutende Kopfplatzwunde zugezogen. Daraufhin kam sie per Rettungswagen nach 23 Uhr ins AMK und wurde notversorgt. Zurück blieb eine noch heute sichtbare Narbe. Zur Beobachtung sollte sie danach noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben. Das wollte sie aber nicht. Als zwei Schwestern sie beruhigen wollten, wurden sie von der Angeklagten übelst beschimpft. Die damals 28-jährige Schwangere bekam zudem einen Tritt in den Unterleib. Zum Glück folgenlos, das ergab eine ärztliche Untersuchung. Wegen der Geburt ihres Kindes konnte sie auch nicht zum Prozess kommen.

Auch Altstrafen wegen Trunkenheit sind zu zahlen

Nach ihren persönlichen Verhältnissen befragt, sagte die Angeklagte, dass sie "nicht mehr so viel" trinke wie im Tatzeitraum. Therapie habe sie aber keine gemacht. Bis Mai 2013 hatte sie nach eigener Auskunft Arbeit. Heute lebe sie von Hartz-IV. "Die Tat kann mit einer Geldstrafe ihr Bewenden haben", begründete Richterin Gießelmann-Goetze das Urteil, mit dem das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt war. Und 800 Euro würden als Schmerzensgeld ausreichen: "Mehr ist nicht gerechtfertigt." Sobald kann die Krankenschwester aber nicht mit Geld rechnen, denn die Angeklagte muss erst Geldstrafen wegen Trunkenheit im Verkehr abzahlen. Sie könne die Altstrafen auch abarbeiten, schlug die Staatsanwaltschaft als Alternative vor.