Für die meisten Graffiti bekommt Michael Braune heute Geld. Wie fast alle aus der Sprüher-Szene ist er in einer rechtlichen Grauzone angefangen. Zunächst wurden Industriebrachen verziert. Seine Leidenschaft hat ihn um die ganze Welt geführt.

Stendal/Dahrenstedt l Der Stendaler Graffiti-Künstler Michael Braune hat schon viele Spuren hinterlassen - auch in Stendal. Seit 1992 beschäftigt sich der 37-Jährige damit, Bilder mit der Spraydose zu kreieren. "Natürlich war das am Anfang eine rechtlich Grauzone, die war sogar so grau, dass sie manchmal auf dem Bahnhofsgelände endete", erzählt Braune mit einem Schmunzeln. Von den illegalen und wilden Anfängen erzählt er nicht so gerne. "Man will sich verwirklichen, aber es gibt nicht genug Wände", sagt er.

Was mit 15 Jahren in Indus- triebrachen in Stendal und Umgebung begann, ist für Michael Braune heute eine völlig legale Kunst, die ihn nie losgelassen hat. Am Sonnabend wurde auf dem Kunsthof Dahrenstedt eine Ausstellung mit Werken von ihm eröffnet. Es sind Graffitis auf Leinwand, aber auch Fotos von Wandkunstwerken, die von Guatemala bis Peking reichen. Vor der Eröffnung zeigte der Stendaler live eine Kostprobe seines Könnens. Es folgte noch ein Künstlergespräch mit Hejo Heussen, der vor zehn Jahren den Kunsthof gegründet hat.

Für Aufträge gibt es heute schon Geld dafür

Nach dem Abitur machte Braune eine Ausbildung zum Möbeltischler, später folgte ein Studium als Industriedesigner und Innenarchitekt. "Das Sprühen habe ich parallel immer weiter verfolgt", sagt Braune. Er jobbte nebenbei, sparte Geld und finanzierte sich so Reisen um die ganze Welt, bei denen er mit Gleichgesinnten Graffitis entstehen lassen konnte. In Neuseeland, Australien, China, Mexiko, Island, Dänemark, Schweden und natürlich auch in den USA in New York war er schon.

Heute bekommt Braune Aufträge und kann mit seiner Kunst sogar Geld verdienen. Sei es ein Zahnarzt in Osterburg oder ein Lebensmittelgeschäft in Stendal, sie lassen sich gerne die Wände mit Graffiti verzieren. "Wenn man sich mal heute die Werbung ansieht, da werden ohnehin viele Stilelemente des Graffiti verwendet", sagt Braune. Einiges Geld verdient er auch damit, dass er Kinder und Jugendliche in Workshops schult - zumeist sind es Präventionsprojekte. "Das sind oft Fasthäftlinge", sagt Braune. Dadurch sei es oft mehr Beschäftigungstherapie als Kunsterziehung. "Ich sehe nur selten bei ihnen Feuer in den Augen."

Wer Braune beim Sprühen zusieht, erkennt bei ihm dagegen regelrechte Passion. Dutzende Spraydosen liegen um ihn herum. Völlig vertieft ringt er um die beste Farbauswahl. Tage braucht er für seine Werke. Es hat nichts mit den wild hingeschmierten sogenannten Tags zu tun, die auf Bahnwaggons, Trafos oder sonstigen öffentlichen Flächen zu finden sind. Tags sind Pseudonyme, meist Kürzel, der Graffiti-Sprayer.

Pseudonym wird in Werke kunstvoll eingebaut

Auch Michael Braune baut in seine Werke immer das Kürzel "Peka" ein. "Das ist mein Pseudonym", sagt der Stendaler. Allerdings muss man schon einen sehr geschulten Blick haben, um die Buchstabenkombination tatsächlich in seinen Bildern finden zu können.

Entstanden ist die Graffiti-Kunst, bei der Kürzel verwendet werden, in Philadelphia, wie Braune erzählt. Ein gewisser Darryl McCray hatte damit im Gefängnis begonnen und machte später in Freiheit in spektakulärer Weise weiter. Unter anderem besprühte er einen Zooelefanten. Bald schwappte das Graffiti-Writing nach New York über, wo in den 1970er Jahren das gesamte Stadtbild geprägt wurde - keine U- oder S-Bahn und keine Hauswand wurde ausgelassen. "Es macht einfach Spaß, dort zu sprühen", sagt Braune. Dort seien die Areale aber derart unter den Sprayern abgesteckt, dass man jemanden kennen müsse, der einen sprühen lasse. "Da gibt es private Hall-of-Fames, da kommt man nicht einfach dazwischen", sagt der Stendaler. Allerdings sei es für viele aus der internationalen Szene heute fast schon der heilige Gral, wenn man in Berlin eine S-Bahn verzieren kann. "Die kommen aus der ganzen Welt dorthin."

Braune: "Der King Kong ist Geschmackssache"

In Stendal gibt es wenig hingeschmierte Graffiti, dafür seit geraumer Zeit immer imposantere Wandbilder - nicht zuletzt der 2013 entstandene King-Kong am Elfgeschosser an der Stadtseeallee. "Das ist sehr gegenständlich und nicht meine Art", sagt Braune. Es sei Geschmackssache. Allerdings blute ihm das Herz, wenn er in der Stendaler Bahnhofsvorstadt an einer Hauswand das Uenglinger Tor sieht. "Was soll das da", sagt Braune. Da gehöre eine Lokomotive und Dampf oder Ähnliches hin. Beim Erzählen bricht bei Braune die künstlerische Leidenschaft durch.

 

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