Dass das Tangerhütter Rathaus 1905 innerhalb nur weniger Monate errichtet worden war und welche weiteren Gebäude bis heute die Handschrift ihres Großvaters tragen, davon überzeugte sich Annemarie Fuhrig aus den USA jetzt in Tangerhütte. Mitgebracht hatte sie ihren Sohn Frank und dessen Familie.

Tangerhütte l Wenn sich Besuch aus den USA im beschaulichen Tangerhütte ansagt, dann ist das schon etwas Besonderes. Wenn es, wie im Fall von Annemarie Fuhrig, auch noch jemand mit einem sehr persönlichen Draht zur jüngsten Stadt der Altmark ist, dann macht das Kennenlernen noch mehr Spaß. Erich Gruber, selbst alteingesessener Tangerhütter und stellvertretender Bürgermeister, begrüßte gemeinsam mit Kulturhausleiter Sven Biermann nicht nur die Dame, die nach dem Krieg für einige Monate bei ihrem Opa in Tangerhütte lebte, sondern auch deren Sohn Frank mit Frau Lynda und den Zwillingssöhnen Alex und Max (9).

Die Jungs wollen später selbst etwas im Bereich Bauwesen machen und waren deshalb ganz gespannt, wie es dort aussieht, wo ihr Ururgroßvater gewirkt hatte. Dieser, Wilhelm Voge, war es, der damals dem Rathaus, der Wilhelm-Wundt-Schule, aber auch dem "Gustav-Wehke-Haus" und vielen weiteren Gebäuden ein typisches Gesicht gab. 1901 war er von Kiel aus nach Tangerhütte gekommen und lebte in der Blumenstraße 24. "Dort gab es zu der Zeit noch einen großen Nussbaum auf dem Hof", erinnerte sich Annemarie Fuhrig.

Ein Abstecher ins Schulmuseum der Wundt-Schule, aber auch ins Neue Schloss mit dem Gartenträume-Park unternahm Sven Biermann samt der Familie, die von Kopenhagen aus mit dem Mietwagen Deutschland bereist. Familie und Freunde in Berlin und in Bad Schwartau standen auf ihrer Route. Auch in Berlin gebe es Stadtplaner in der Verwandtschaft, berichtet Frank Fuhrig.

In Tangerhütte machte die Familie aus Jacksonville bei Springfield im US-Bundessstaat Illinois nur einen Tag lang Stopp. "Aber das muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein", sagt Annemarie Fuhrig beim Kennenlern-Gespräch mit Erich Gruber. Auch ihre Enkel waren sehr beeindruckt von den Gebäuden mit der Familiengeschichte. Sven Biermann hatte im Vorfeld des Besuchs bereits im Stadtarchiv gestöbert und berichtete unter anderem, dass im Mai 1905 der Spatenstich für das Rathaus erfolgt war und schon im September der Einzug erfolgte.

Ihr Vater Albert Voge sei nach dem Krieg nicht nach Tangerhütte zurückgekehrt, sondern in der Wasserwirtschaft in Verden tätig gewesen und später nach Bad Schwartau gegangen, erzählt Annemarie Fuhrig. Sie kann sich noch an ihren Großvater erinnern, der nach dem Krieg vor allem im Brunnenbau tätig war. Auch der Anbau der evangelischen Kirche sei von Voge gemacht worden, berichtete Biermann den amerikanischen Gästen.

Sie freuten sich sehr über die vielen Details und Informationen aus dem Archiv und auch über das Angebot, das gesammelte Wissen über ihren Vorfahren, den Baumeister Wilhelm Voge, von ihm per Mail zugeschickt zu bekommen.