In einem Krankenhaus irgendwo in Deutschland. "Herr Chefarzt, Sie müssen rechnen lernen. Ihre Abteilung hat zwei Probleme: Die Kosten steigen und die Erlöse sinken." "Herr Geschäftsführer, die von Ihnen angezettelte, ständige Personaldiskussion ist für unser Haus rufschädigend." G:"Ihre Erlöse rechtfertigen nicht den Personalstand Ihrer Abteilung. Sie ist überbesetzt."

C:"Die Rahmenbedingungen bestimmen Sie doch ausschließlich unter ökonomischen Gesichtspunkten. Mit den Konsequenzen müssen wir uns herumschlagen. Es wird Zeit, dass Sie mal Patient werden. Stellen Sie sich vor, Sie müssten operiert werden, aber wegen Personalmangels wird Ihre Operation mehrmals verschoben." G:"Natürlich darf kein Mitarbeiter permanent überfordert werden, aber die soziale Hängematte können wir nicht aushängen. Der wirtschaftliche Erfolg ist die entscheidende Voraussetzung für eine gute Medizin." C:"Das Personal reicht doch hinten und vorne nicht. Gesundheit ist kein Produkt wie jedes andere, Erkrankungen dürfen nie rein ökonomisch betrachtet werden." G:"Sie haben völlig Recht, gerade deshalb muss die Ökonomie stimmen. Je schlechter wir wirtschaftlich dastehen, umso schwieriger wird eine umfassende Patientenfürsorge, je mehr Überschüsse wir erwirtschaften, umso mehr können wir den Bedürfnissen der Kranken und des Personals Rechnung tragen. Ihrer ökonomischen Verantwortung werden Sie zu wenig gerecht." C:"Sie sehen Ärzte doch als Kostenverursacher anstatt als Erlöserbringer." G:"Für die Erlöse, die Sie erwirtschaften, bekommen Sie ein stattliches Gehalt, mit den Kosten müssen wir uns herumschlagen, also treten wir auf die Kostenbremse. Hätten Sie die ökonomische Verantwortung, würden Sie das auch tun." C:"Ich bin als Arzt und nicht als Ökonom ausgebildet. Jeder Patient sollte optimal behandelt werden, das sollte unser aller Streben sein."

G:"Das Gesundheitswesen erlaubt es jeder Klinik, Gewinne zu erwirtschaften. Wir müssen nur effizient und qualitätsbewusst arbeiten. Für die anfallenden Überschüsse brauchen wir uns nicht zu rechtfertigen." C:"Reduzieren Sie mein Personal, so werden die Erlöse sinken und der Krankenstand steigen." G:"Warum schaffen es vergleichbare Abteilungen anderer Krankenhäuser mit weniger Personal, deutlich mehr Erlöse zu erwirtschaften?" C:"Wahrscheinlich werden da wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Wir legen Wert auf Ausbildung, wir unterrichten Studenten, wir stellen Notärzte. Zahlen sind doch nur die halbe Wahrheit, auch wenn sie für Sie die ganze sind." G: "Nochmals: Krankenhäuser, die schwarze Zahlen schreiben, sind nicht schlechter aufgestellt als Einrichtungen, die Verluste schreiben."

Dann gingen beide auseinander. Der Geschäftsführer murmelte:"So werden wir nie zusammenkommen." Der Chefarzt dachte:"Wie lange will ich mir das noch antun?"

Prof. Ulrich Nellessen ist Ärztlicher Direktor des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal und meldet sich einmal im Monat an dieser Stelle zu Wort