Einige Hundert Besucher schlenderten am 30. September 1995 über den ersten Steinfelder Bauernmarkt. Am 27. September diesen Jahres werden es Tausende Gäste sein. Der Markt feiert seinen 20. Geburtstag.

Steinfeld l "Was die Wiesen für München, das wird der Bauernmarkt für die Verwaltungsgemeinschaft Kläden sein", orakelte Rolf Meyer, vor 20 Jahren Vize-Landrat im Landkreis Stendal, während des ersten Steinfelder Bauernmarktes. Die Verwaltungsgemeinschaft Kläden ist Geschichte und Meyer auch kein Vize-Landrat mehr. Er sollte Recht behalten. Denn Jahr für Jahr pilgern 8000 bis 10 000 Menschen nach Steinfeld, um das einzigartige Flair des Marktes zu erleben.

Dass diese Veranstaltung einmal solche Dimensionen annehmen wird, damit hatte damals niemand gerechnet. "Es regnete in Strömen", erinnert sich Verena Schlüsselburg, damals Verwaltungsleiterin in Kläden und heutige Einheitsgemeinde-Bürgermeisterin. Die Tanzgruppe habe sich deshalb entschlossen, im Schützenhaus aufzutreten. "Wir standen draußen unter Schirmen und sahen durch die Fenster ins Innere", schmunzelt Schlüsselburg. Auch 40 Händler trotzten dem Regen und eben auch einige hundert Besucher.

Die Geburt des Marktes ist dem damaligen Modellprojekt "Einkommenssicherung durch Dorftourismus" zu verdanken. Die Idee entstand während einer Reise in das niederösterreichische Waldviertel, ähnlich dünn besiedelt wie die Altmark. "Dort gab es solche kleinen regionalen Bauernmärkte", so Schlüsselburg. Warum also nicht auch in der Altmark mal einen Versuch wagen?

Zu den Geburtshelfern gehörten neben Verena Schlüsselburg, auch Helga Chlopik aus Hohenwulsch und die leider schon verstorbene Erika Manecke aus Grassau. Beide waren im Rahmen des Modellprojektes angestellt, sollten für die Umsetzung sorgen. Die damaligen 13 Bürgermeister der Einheitsgemeinde Kläden habe man schnell von dem Vorhaben begeistern können. Die war um so einfacher, weil kommunale Mittel nicht für den Markt verplant wurden, sagt Schlüsselburg, die nicht ohne Stolz betont, dass sich daran bis heute nicht geändert habe.

Schnell legte man nach der Premiere aber Pläne zur Seite, nach denen jede der damaligen 13 Mitgliedsgemeinden im Wechsel Marktstandort sein sollte. "Steinfeld mit seinem Schützenplatz hat sich bewährt", begründet Schlüsselburg. Es gab genug Möglichkeiten, das Areal auszudehnen. Komplettiert wurde der Platz dann 1997, als das Backhaus und die Feldsteinbühne entstanden.

Geblieben sind lieb gewonnene Accessoires der ersten Stunde, wie die Wahrzeichen des Marktes, die Strohkuh und das Strohtor. Auch der Ackerwagen, bereit gestellt von den Schinner Landwirten, begleitete den Steinfelder Bauernmarkt durch seine 20-jährige Geschichte. Geblieben sind auch viele Händler der ersten Stunde. 20 von ihnen hielten 20 Jahre lang dem Markt die Treue. Weitere 160 werden das Angebot komplettieren, wenn es am 27. September wieder heißt: "von Haus, Hof und Garten für Haus, Hof und Garten".

Mussten Helga Chlopik und Erika Manecke vor 20 Jahren noch sehr viel telefonieren um Erzeuger und Händler vom Marktauftritt zu überzeugen, stehen diese mittlerweile Schlange um einen Standplatz. "Wir haben Anfragen über Anfragen...", so die Bürgermeisterin. Leider können nur noch berücksichtigt werden, wer mit einem außergewöhnlichen Sortiment den Bauernmarkt bereichern kann.

Originelle Vogelscheuchen sind gesucht

Gesichert ist indes der Standort für den ersten Kinder-Bauernmarkt in der Steinfelder Marktgeschichte. Derzeit sind Mitarbeiter der Arbeitsförderungsgesellschaft Beetzendorf damit beschäftigt, vier Stände aufzuarbeiten. Die Kindergartenkinder aus Kläden und Badingen werden Obst, Gemüse und Marmeladen verkaufen. Beliefert werden sie unter anderem von den Mitgliedern des Bismarker Kleingartenvereins "Völkerfreundschaft". Ein Kinderbauernmarkt sei der beste Weg der Nachwuchsgewinnung, freut sich Schlüsselburg.

Neu ist auch, dass der Verein "Blaue Herzen für Kinderfreundlichkeit" mit einem Sack voller Gummienten auf dem Platz erscheint. Diese können von den Kindern individuell bemalt werden. Diese Enten starten dann zum Kinder-Entenrennen in Havelberg.

Darüber hinaus ruft die Bürgermeisterin im Vorfeld wieder zum Vogelscheuchen-Wettbewerb auf. Beteiligen können sich Kindereinrichtungen, Vereine, Institutionen aber auch Privatpersonen. Die originellsten Modelle werden nach Abstimmung der Marktbesucher prämiert. Abschließend erinnerte Schlüsselburg noch einmal an das Jahr 1995. Damals habe in der Region Aufbruchstimmung geherrscht. Der Altmarkhof mit Bauerngarten und Heimatstube entstand in Schäplitz und in Hohenwulsch war es der Naturlehrweg mit Infozentrum.

In die Zeit fällt auch die Gründung des Chores der Verwaltungsgemeinschaft, heute der Chor des Media-Kulturkreises. Besonders freut sie sich, dass all diese Einrichtungen noch heute Bestand haben. Das Modellprojekt "Einkommenssicherung durch Dorftourismus" wirkt nachhaltig, auch nach 20 Jahren.