Als Schüler hat Christoph Barniske in Stendal das Segelfliegen gelernt, jetzt tritt der 33-Jährige beim Altmark-Pokal für den Aero-Club Stendal an. Die Volksstimme begleitete ihn am Mittwoch bei den Startvorbereitungen.

Stendal l Der Himmel ist nicht nur wolkenverhangen, als Christoph Barniske kurz vor 9 Uhr zum Borsteler Flugplatz fährt. Es regnet in Strömen. Gutes Flugwetter sieht anders aus. Der 33-Jährige bleibt optimistisch und steuert die Halle an, in der einige Segelflugzeuge für die Nacht untergestellt wurden. Auch die Antares 18 eines befreundeten Piloten, die Christoph Barniske für den Wettbewerb nutzen kann.

Er nimmt in der 18-Meter-Klasse teil, klar: das Segelflugzeug hat eine 18-Meter-Spannweite. Der dritte Altmark-Pokal bedeutet die dritte Teilnahme für den jungen Mann, der in Stendal aufgewachsen und als Schüler im Jahr 1996 zum Segelfliegen gekommen ist. Wegen seines Berufes in der Internetbranche lebt er mittlerweile seit Jahren in Berlin, ist aber weiterhin aktiv im Aero Club Stendal.

Vor zwei Jahren, beim zweiten Altmark-Pokal, hatte Christoph Barniske die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft geschafft, damals in der Clubklasse. 2013 nahm er in Lüsse (Bad Belzig) an der Deutschen Meisterschaft teil. Die nächste findet im kommenden Jahr statt, auch diese hat der 33-Jährige im Visier. Dafür qualifizieren kann er sich in dieser Woche. Sollte es allerdings mit den notwendigen drei Wertungsflügen nichts werden, wird ersatzweise auf die Rangliste des Deutschen Aero Clubs geschaut. Und auf der liege er sogar recht gut, erzählt der junge Mann, während er mit Hilfe anderer das Segelflugzeug aus der Halle schiebt.

Der Regen hat mittlerweile aufgehört, die Sonne kämpft sich langsam durch. Christoph Barniske bleibt weiter optimistisch, vermutlich wegen seines Faibles für die Meteorologie. "Das ist mein Hobby", sagt der Segelflugpilot, der in den vergangenen zwei Wochen bei der Deutschen Segelflug-Meisterschaft der Frauen in Stölln/Rhinow als Turniermeteorologe im Einsatz war.

Die Antares 18 - 370 Kilogramm Leergewicht - steht vor der Halle, die Schleppstange ist montiert, das Auto fährt rückwärts heran. Das Segelflugzeug wird zum Startplatz gezogen. Einen kurzen Stopp gibt es am Wasserschlauch. In den Flieger könnte Christoph Barniske 220 Liter Wasser füllen, er entscheidet sich für 100 Liter. Mit diesem Ballast in den Flügeln und im Heckflügel wird das Flugzeug schwerer, die Geschwindigkeit beim besten Gleiten lässt sich erhöhen - von etwa 130 bis 140 Stundenkilometer ohne Wasser auf durchschnittlich 150 bis 180 Stundenkilometer mit Wasser.

Vor der Landung lässt der Pilot das Wasser ab. "Ein schweres Flugzeug ist schwerer zu bremsen", erklärt der 33-Jährige, verschraubt die Einfüllöffnungen und läuft hinüber zum Basislager, um die über Nacht geladenen Batterien zu holen. Und schon geht es weiter Richtung Startplatz.

Die 18-Meter-Klasse steht an diesem Tag vorn. Das hat er gleich bei der Ankunft auf dem Aushang gelesen, der an jedem Morgen aktualisiert wird. Dass er in der siebten Startreihe seinen Platz hat, ruft ihm einer der Einweiser zu. Ein Mitglied im Aero-Club Stendal, einer von vielen ehrenamtlichen Helfern, die an der Waage - die offene Klasse wird täglich gewogen, die anderen nur stichprobenartig - ebenso für einen reibungslosen Ablauf sorgen wie beim Aufstellen auf der Startfläche. "Ansonsten würde es bei 110 Startern ein richtiges Durcheinander geben", lobt Christoph Barniske die Arbeit seiner Vereinskollegen.

Der Startplatz ist erreicht, das Auto abgekoppelt - und die Wolkendecke wird mehr und mehr Geschichte. Der 33-Jährige putzt Regentropfen von den Flügeln, testet den Motor, mit dem dieses Segelflugzeug ausgestattet ist, checkt die Ausrüstung und zieht am Ende eine Plane über das Cockpit. "Damit es sich in der Sonne nicht aufheizt", erklärt er. Denn das Plexiglas könnte auf die Hitze reagieren und sich verziehen.

Eine eingeschworene Gemeinschaft

Nach einer Stunde ist die Vorbereitung abgeschlossen. Bis zum Briefing, bei dem die Piloten ihre Tagesaufgaben für die Wertungsflüge und Informationen zum Wetter bekommen und das an diesem Tag um 11 Uhr beginnt, bleibt noch etwas Zeit. Zeit für Gespräche, zum Fachsimpeln oder einfach zum Plaudern. "Ich mag solche Wettkämpfe, weil es Spaß macht, dass man viele kennt", sagt Christoph Barniske. "Da gibt es eine eingeschworene Truppe, man sieht sich ein-, zweimal im Jahr." Den 33-Jährigen kennen fast alle. Darum haben ihn die anderen 28 Piloten der 18-Meter-Klasse zu ihrem Sprecher gewählt.

Um 12 Uhr ist die Startbereitschaft hergestellt. Eine halbe Stunde später wird Christoph Barniske mit seinem Segelflieger in die Luft geschleppt. Knapp drei Stunden ist er unterwegs, kurz vor halb fünf am Nachmittag landet er wieder auf dem Borsteler Platz. Das Wetter hat mitgespielt, die Flüge können gewertet werden. "Es war ein guter Tag", sagt der 33-Jährige kurz nach der Landung. Der Regen vom Morgen ist längst vergessen.

 

Bilder