Innerhalb von drei Jahren hat die Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) aus einem für Mieter unattraktiven Plattenbauviertel ein schickes Wohnquartier gemacht. Neun Millionen Euro investierte das kommunale Unternehmen dafür.

Stendal l Vor einigen Jahren noch habe man kaum einen Pizza-Bringdienst dazu bewegen können, nach Stendal Stadtsee das Essen auszuliefern, sagte der SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik am Donnerstag bei der offiziellen Freigabe des sanierten Tiergartenviertels. Man habe es innerhalb kürzester Zeit geschafft, aus einem Problemviertel ein attraktives Wohnquartier zu machen. Nun seien dort die attraktivsten Wohnungen, die die SWG seinen Mietern anbieten könne. Die Nachfrage sei hoch und die Wohnungen - bis auf einige Fluktuationen - komplett belegt, so Jircik.

Mieter feierten das Ende der dreijährigen Bauzeit

"Es ist uns ein Imagewandel geglückt", sagte der Geschäftsführer gestern Vormittag vor geladenen Gästen aus Politik und Stadtgesellschaft. Mit der Aufwertung der Wohnungen und des gesamten Quartiers habe man eine positive Stimmung erzeugt. Am Nachmittag feierten Mieter im Innenhof am Elfgeschosser das Ende der dreijährigen Bauzeit.

Insgesamt hat die SWG für die Sanierung des Tiergartenviertels neun Millionen Euro ausgegeben. "Das wurde nahezu ohne Fördermittel gestemmt", sagte Jircik. Man habe "eine kluge Politik" betrieben, bescheinigte Bauminister Thomas Webel (CDU), der betonte, dass man in Stendal bei der Umstrukturierung der Wohnungen sehr die Bedürfnisse von älteren Menschen im Auge gehabt habe.

Der erste Spatenstich erfolgte am 7. Juni 2011, als mit einem Neubau an einen bestehen Plattenbau in der Brehmstraße 1a begonnen wurde. Es entstanden 31 altengerechte Wohnungen. Später wurde der Elfgeschosser an der Karl-Hagenbeck-Straße saniert, alle 240Wohnungen wurden mit Loggien ausgestattet. Die Mieter haben alle einen Blick auf den Stadtsee. Es wurden zudem sechs Fahrstühle eingebaut, außerdem gibt es nun einen Concierge. Letzterer ist eine Art Türsteher, der im Blick hat, wer ins Haus kommt. Er nimmt beispielsweise auch Postpakete an.

Ein weiterer Plattenbau - ein Fünfgeschosser - erhielt neben einem zentralen Fahrstuhl einen sogenannten Laubengang. Ohnehin wurden die Fassaden gestrichen und fügen sich nun "in einer Formensprache" zusammen, wie es Daniel Jircik ausdrückt. Weiterhin wurde das Wohnumfeld begrünt und auch der zentrale Parkplatz erneuert. Symbolisch für den gesamten Wandel des Viertels sei ein Chamäleon auf die Seitenwand des Tiergarten-Elfers gemalt worden, so Jircik.

"Es wurde hier auch regionale Wirtschaftsförderung betrieben", sagte Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Von den 35 beauftragten Firmen seien 27 aus Stendal und Umgebung an dem Millionen-Projekt beteiligt gewesen. Schmotz erinnerte daran, dass der Stadtrat 2002 mit dem Stadtentwicklungskonzept "Pflöcke eingeschlagen" habe. Die Stadt sei ins Programm Stadtumbau Ost aufgenommen worden.

In der Folge wurde das Plattenbauviertel, in dem es seinerzeit einen Leerstand von 42Prozent gab, fast vollständig abgerissen. Die SWG befand sich in einer äußerst schwierigen Lage und befand sich am Rande der Insolvenz.

"Stadtumbau bedeutet nicht nur Abriss, sondern auch Aufwertung", sagte Schmotz. Genau das könne man nun am Tiergartenviertel in herausragender Weise erkennen.

Nach Angaben von Jircik sei es ein Glück gewesen, dass auf dem Tiergartenviertel keine Schulden lagen, da es Sanierungen dort zuvor nicht gegeben habe. "Das war unser Glück, dadurch konnten wir unsere Vorstellungen voll umsetzen", sagte Jircik.

 

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