Tangerhütte (bsh) l Am Freitagabend stellte sich in Tangerhütte ein Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 14. September vor, den der CDU-Ortsverband einstimmig nominierte. Der 53-jährige, aus Berlin stammende Michael Conrad, der seit 2007 als Justiziar in einem mittelständischen Unternehmen in Rheinland-Pfalz tätig ist, zeigte sich bei seiner Präsentation recht offen.

Dass für ihn nicht nur der Schritt zurück in die Kommunalpolitik, in der er nach seinem Studium der Rechtwissenschaften an der Freien Uni Berlin bereits tätig war, sondern auch die Nähe zur Familie in Berlin zähle, erklärte er. Als Bezirksverordneter in Berlin, als Geschäftsführer der Stadtwerke aber auch als Amtsleiter in der Stadtverwaltung in Ludwigsfelde war er schon tätig. Politisch engagierte er sich nach der Wende in Brandenburg, war ehrenamtlicher Bürgermeister und Kreisvorsitzender für die CDU im Bereich "Teltow-Fläming". Nach dreieinhalb Jahren Stadtverwaltung zog es ihn in die Wirtschaft.

Für eine Tochtergesellschaft der Elf/Minol arbeitete er lange Jahre, versuchte 2006 aber bereits den Schritt zurück in die Lokalpolitik - in Güsten gewann er die Wahl zum Verwaltungsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Saale-Wipper. Diese musste aus formellen Gründen (die Stimmen waren nicht öffentlich ausgezählt worden) neu gestartet werden und Conrad unterlag in einer Auslosung. Auch daraus, dass der Volljurist selbst schon einmal "schlechte Zeiten hatte", ein Jahr lang ohne Arbeit war, machte er keinen Hehl. Seit 2007 ist er in Rheinland-Pfalz tätig, seit 32 Jahren in der CDU.

Noch kennt Conrad Tangerhütte "zu wenig", das räumte er selbst ein, das wollen sowohl CDU-Ortsverbandsvorsitzender Marcus Graubner als auch Stadtrat und Schausteller Werner Jacob in den kommenden Wochen ändern. Geplant sei, dass Conrad als Kandidat "von Außen" in alle Orte der Einheitsgemeinde fahre, um sich den Menschen vorzustellen. "Die Tätigkeit als solche interessiert mich!", sagte der Kandidat.

Michael Conrad ist seit 20 Jahren verheiratet und hat drei Kinder. Seine Frau stammt aus Rumänien, die Familie lebt in Berlin. Zwar wolle er für den Anfang zunächst als Einzelperson in die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte ziehen, nach dem Abitur seines mittleren Sohnes aber sei auch das Nachholen der Familie angedacht. "Ich bringe Lebens- und Berufserfahrung mit, aber ich kann keine Wunder vollbringen", sagte er.

Auf die Frage, ob er sich auch außerhalb von Sitzungen mit den Menschen zusammensetzen wolle, antwortete er: "Das gehört dazu. Wenn man von den Menschen hier nichts weiß, kann man diese Arbeit nicht machen und mir ist klar, dass es um mehr als eine 40-Stunden-Tätigkeit geht."

Am heutigen Montag wird Marcus Graubner als Vertrauensperson gemeinsam mit Ina Altenberger die Unterlagen für Conrads Kandidatur einreichen. Graubner sagte am Abend: "Das hier ist ein wichtiger Termin für uns. Wir haben vier Jahre Zeit verloren und für einen Neuanfang gesorgt. Dass unser Kandidat von Außen kommt, sehe ich als Vorteil an, weil wir neuen Schwung reinbringen müssen."