Zum Erzieherteam des Stendaler Kindergartens "Kunterbunt" gehört für sechs Wochen Ana Suarez Toyos. Die junge Frau aus Spanien beendet jetzt ihr Pädagogik-Studium, das sie vor fünf Jahren in ihrer Heimat begonnen hatte.

Stendal l "Sol!" Im Chor sprechen die Steppkes der Vorschulgruppe das spanische Wort für "Sonne" nach. Sie hängen Praktikantin Ana förmlich an den Lippen, wollen mit ihr spielen, malen, auf der großen Weltkarte ihre Heimat sehen und auch unbedingt von ihr die Einschlafgeschichte hören. Auch wenn der südländische Dialekt noch deutlich zu hören ist, so kann die 22-Jährige inzwischen doch sehr gut Deutsch sprechen.

Kein einziges Wort kennt Ana, als sie 2010 das erste Mal Urlaub in Deutschland macht. Doch die Liebe zu diesem Land ist geweckt und es folgen in den Semesterferien Aufenthalte als Au-pair in deutschen Familien. Nach vier Jahren Pädagogikstudium in ihrer Heimat entscheidet sich Ana im September 2013, die letzten zwei Semester an der Hochschule in Stendal, Fachrichtung Kindheitswissenschaften, zu absolvieren. Schweren Herzens hatte sie sich von ihrer Familie und den Freunden verabschiedet. Über das anfängliche Heimweh hinweg tröstet sie Peter. Den BWL-Studenten lernt sie kennen, als sie ihre Studentenwohnung bezieht, er wohnt gleich nebenan.

Für den praktischen Teil des Studium fällt die Wahl auf den Kindergarten "Kunterbunt". Schnell schließen die Kinder "die Neue" ins Herz. Und auch die Erzieherinnen sind froh über die Bereicherung. "Ana ist sehr offen, freundlich und lernwillig. Die Kinder sind neugierig und hören ihr gespannt zu, wenn Ana von ihrem Zuhause erzählt", sagt Katrin Beninde. Sie und die anderen beiden Erzieherinnen Beate Matthias und Natalie Laeseke der Vorschulgruppe sind genau wie die Kinder schon gespannt auf den spanischen Tag, den Ana plant. Es gibt das typische Gericht Paella, dazu spanische Musik und natürlich Kinderspiele.

Einweihung des neuen Spielplatzes am 29. August

Ana dagegen freut sich, dabei zu sein, wenn der Kindergarten am 29. August den neuen Spielplatz einweiht. Die Spielgeräte wurden während der zweiwöchigen Schließzeit Ende Juli aufgestellt. Jetzt gibt es auch schönen weißen Sand und einen Weg rings um den Platz, über den die Kinder mit Rollern und Dreirädern sausen können. Eingeladen sind zur Einweihung ab 14.30 Uhr die Sponsoren und die Eltern, die die alten Spielgeräte abgebaut und alles für die Bauarbeiten vorbereitet hatten.

Am 12. September ist Anas letzter kunterbunter Tag. Sie kann sich gut vorstellen, künftig in einem Kindergarten zu arbeiten, das erfolgreich abgeschlossene Studium ebnet ihr dafür viele verschiedene Wege. Was genau sie machen will, weiß Ana noch nicht. Aber eins steht fest: Sie bleibt in Deutschland! Natürlich ist ihr Peter ein wichtiger Grund dafür. Aber sie mag auch Land und Leute und die beruflichen Möglichkeiten, die sich hier bieten. "Natürlich werde ich meine Eltern, meine jetzt schwangere Schwester und meinen vierjährigen Neffen vermissen. Aber wir können ja regelmäßig Urlaub in Spanien machen."

Abwarten, bis Freund Peter sein Studium beendet

Die nächsten Monate bleibt Ana noch in Stendal, will irgendwo arbeiten, am liebsten natürlich mit Kindern. Wenn ihr Freund sein Studium beendet hat, suchen sie sich eine Stadt ähnlich wie die 300000 Einwohner große Heimatstadt Gijón im Norden Spaniens, wo sie beide beruflich Fuß fassen können. Für eine mögliche Arbeit im Kindergarten erhält Ana gutes Rüstzeug im "Kunterbunt".