Stendal l Für einen 34-jährigen Tangermünder nahm der zweite Prozesstag ein unliebsames Ende. Dieser hatte das Landgericht am Stendaler Dom am Freitagmorgen als freier Mann betreten, musste es aber in Handschellen verlassen. Der kräftig gebaute und für seine Wutausbrüche bekannte Angeklagte wurde mit einem Streifenwagen in eine Justizvollzugsanstalt gebracht. Gleich fünf Polizeibeamte betraten gleichzeitig den Gerichtssaal 108, um ihn zu verhaften.

Er habe ein anderes Rechtsbewusstsein als die Vorsitzende Richterin, hatte er beim Auftakt seines Berufungsprozesses wegen Drogenbesitzes, Anbau von Cannabis, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung sowie sechsmaligen Fahrens ohne Führerschein und ohne Haftpflichtversicherung am 7. August gesagt (die Volksstimme berichtete). Offenbar ist der Angeklagte nicht nur im Kreis Stendal ohne Fahrerlaubnis mit dem Auto gefahren. So soll er in Niedersachsen unterwegs gewesen sein. Das Amtsgericht Hannoversch Münden hatte ihn deshalb zu einer Verhandlung als Angeklagten vorgeladen. Den Termin habe er versäumt, hieß es. Darum erließ der Strafrichter dort Haftbefehl. Und der wurde nun am Freitag im Gerichtssaal vollstreckt.

In dem hiesigen Berufungsprozess sieht es indes auch nicht sonderlich rosig aus für ihn. 18 Monate ohne Bewährung hatte er am Amtsgericht bekommen. Dagegen waren sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen. Auch wenn einige Anklagepunkte eingestellt beziehungsweise die Berufung teilweise von der Staatsanwaltschaft zurückgenommen wurde, umfasst die Anklage noch etliche Punkte. So bleiben sechs Fahrten ohne Fahrerlaubnis übrig, teils unter Alkohol, teils unter Drogeneinfluss. Und der Besitz von Rauschgift in nicht unerheblicher Menge.

Der Angeklagte spricht von polizeilicher Willkür und Voreingenommenheit der Beamten als Zeugen gegen ihn. Zum Beweis seiner Unschuld in einem Anklagepunkt soll nun am 27. August die Angestellte einer Anwaltskanzlei als Zeugin aussagen. Geplant ist derzeit, dass der Prozess an diesem Tag mit dem Urteilsspruch zu Ende geht.