An der Paradiespforte der Stadt- und Ratskirche hat sich bis Ende des 18.Jahrhunderts ein Vorbau befunden. Im Boden endeckten Archäologen eine Gruft. Es gibt Pläne dafür, einen neuen Vorbau in veränderter Form zu errichten.

Stendal l In Stendals Innenstadt muss man scheinbar nicht lange buddeln, um Interessantes zu Tage zu fördern. Neuste Überraschung ist eine mittelalterliche Gruft an der Paradiespforte der St. Marienkirche. Das es dort einmal einen Vorbau gab, der vor 220Jahren abgerissen wurde, war bekannt, sagt Bärbel Hornemann von der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt. Dass sich im Fundament allerdings eine Grabkammer verbirgt, ist erst jetzt im Zuge der Bauarbeiten an der Marienkirchstraße herausgekommen.

"Die Wände sind von Innen verputzt, das ist ein klares Indiz dafür, dass es sich um eine Gruft handelt", sagt Hornemann. Menschliche Überreste wie Knochen seien in der Kammer nicht gefunden worden. "Es muss daher schon mal eine Umbettung stattgefunden haben", sagt die Denkmalexpertin, die auch Vorsitzende des Fördervereins Glocken St. Marien ist und sich um den Erhalt der Kirche kümmert.

Kirchenbesucher mussten Verwesungsgeruch ertragen

Bis zur Reformationszeit sei es üblich gewesen, dass hohe Geistliche und auch weltliche Persönlichkeiten in der Kirche beerdigt wurden. Verwesungsgerüche müssen den Kirchgängern in der Nase gelegen haben, sagt die Expertin. "Aus diesem Zusammenhang stammt auch der Begriff stinkreich", sagt Bärbel Hornemann mit einem Schmunzeln. Die toten Reichen haben im wahrsten Sinne des Wortes den Menschen in der Kirche gestunken.

Nach Angaben von Hornemann gibt es Überlegung bei der evangelischen Stadtgemeinde, an die Paradiespforte wieder einen Vorbau zu errichten. "Dies ist mittelfristig angedacht", so Hornemann. Denkmalrechtlich sei es kein Problem beispielsweise eine Stahl-Glas-Konstruktion davorzusetzen. "Das muss nicht zwingend historisierend sein." Der Bau müsse sich allerdings an den Ausmaßen des Vorgängerbaus von vor mehr als 220Jahren orientieren.