Das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal ist fest in der Altmarkmetropole verwurzelt. 1861 öffnete es seine Pforten, um Menschen in Not zu helfen. Die Zeiten haben sich gewandelt; der Anspruch ist geblieben. Volksstimme stellt in einer Serie Personen vor, die dem Krankenhaus ein Gesicht geben. Heute: die Psychologinnen Dr. Susanne Jäger und Janine Jänisch.

Stendal l Die Diagnose ist niederschmetternd: Krebs. Der Boden scheint den Füßen zu entgleiten. Die Psyche geht in den Sinkflug. Wo gibt es Hilfe?

Im Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal sorgen sich viele verschiedene Berufsgruppen um die Patienten. Dazu zählt auch die psychologische Betreuung. Während Janine Jänisch Krebspatienten betreut, die stationär in der Klinik behandelt werden, ist Dr. Susanne Jäger für den ambulanten Bereich - beispielsweise nach einer Operation oder vor einer Chemotherapie - verantwortlich.

Finanzierung bis zum Frühjahr gewährleistet

Das Darmkrebszentrum der Stendaler Klinik bietet seit dem vergangenen Monat auch eine ambulante psychologische Betreuung von Krebspatienten und deren Angehörigen an. Eine Spende der Sparda-Bank in Höhe von 25000 Euro (Volksstimme berichtete) schuf die finanzielle Grundlage dafür. Bis vorerst Ende März kommenden Jahres. "Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Wir suchen Spender", macht Susanne Jäger deutlich.

Die gebürtige Thüringerin, die wie ihre Kollegin in Stendal Rehabilitations-Psychologie studierte, dann aber an der Universität Mainz mit Schwerpunkt Computerspielsucht tätig war und seit dem 1. Juli 2014 nun im Johanniter-Krankenhaus arbeitet, macht ebenso klar, dass die Nachfrage nach seelischem Beistand vorhanden ist. Susanne Jäger berichtet von durchschnittlich "drei ambulanten Gesprächen am Tag", Tendenz steigend. Von jährlich rund 2000 Gesprächen auf den Stationen spricht die Arneburgerin Janine Jänisch, die nunmehr viereinhalb Jahre zum Stendaler Team gehört.

Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Betreuung von Patienten des Darmkrebszentrums. Aber auch Menschen mit anderen Krebserkrankungen wie Leukämie, Magenkrebs oder Lungenkrebs wenden sich an die Frauen. "Eine schwere Erkrankung wie Krebs wirft bei den Betroffenen, aber auch bei ihren Angehörigen viele Fragen auf", sagt Susanne Jäger. Nicht allein der Todesgedanke sei eine psychologische Herausforderung. Mitunter banal erscheinende Fragen rufen Ängste hervor: die Mietzahlung, weil die Erkrankung eine Arbeit unmöglich macht, die Furcht vor Vereinsamung, wenn der behandelnde Arzt ein striktes Autofahrverbot verhängt, Haarausfall während einer Chemotherapie.

"Es gibt ein Leben nach dem Krebs"

"Wir versuchen in den Gesprächen, eine Beziehung aufzubauen, Ängste abzubauen und Antworten zu geben", erzählt Janine Jänisch. So zeigen sie den Patienten, welche Ressourcen ihm auch mit und nach der Erkrankung bleiben, wer sie unterstützen kann, welche Annehmlichkeiten bleiben. Janine Jänisch sagt unmissverständlich: "Es gibt ein Leben nach dem Krebs." Eines mit schönen Seiten, ergänzt Susanne Jäger und erzählt: "In den Gesprächen wird auch viel gelacht."

Selbsthilfegruppe startet am 10. September durch

Solche Atmosphäre sei auch wichtig für die eigene "Psycho-Hygiene", schätzt Susanne Jäger ein. Schließlich sind die Probleme, die Schicksale ihrer Patienten vielschichtig. Den beiden Psychologinnen gebe Kraft, dass sie viel Dankbarkeit spüren und wenn es Patienten nach den Gesprächen besser geht. Entspannung finden sowohl Susanne Jäger, Jahrgang 1983, verheiratet und Mutter einer Tochter, als auch Janine Jänisch, Jahrgang 1982, liiert, bei der Gartenarbeit.

Die 25000-Euro-Spende ermöglicht eine Erweiterung des psychologischen Angebotes: Eine Selbsthilfegruppe für Krebserkrankte soll aufgebaut werden, eine zweite für Angehörige von Krebspatienten aufzubauen. Die Gruppe der Erkrankten startet bereits am 10. September durch; dafür liegen bislang acht Anmeldungen vor. Weitere nimmt Susanne Jäger unter der Telefonnummer 03931/662045 entgegen. Unter dieser Nummer können sich auch Spender melden, die mit ihrer finanziellen Unterstützung eine langfristige ambulante psychologische Betreuung von Krebspatienten im Johanniter-Krankenhaus ermöglichen möchten.