Stendal l "Er hat telefonisch abgesagt, aber keine Gründe dafür genannt", bestätigte Landrat Carsten Wulfänger am Sonntagnachmittag. "Er habe sich das noch einmal überlegt", zitierte ihn der Landrat. Wulfänger ist selbst überrascht: "So etwas überlegt man sich eigentlich vorher, wenn man sich bewirbt." Beim Privatanschluss des abgesprungenen Kandidaten ging gestern nur der Anrufbeantworter an. Auf die Rückrufbitte reagierte er bis Redaktionsschluss nicht.

Der 47-jährige Bankkaufmann hatte sich Anfang August nach einer bundesweiten Ausschreibung - unter anderem im "Handelsblatt" und der "Frankfurter Allgemeinen" - gegen 33 Mitbewerber durchgesetzt. Derzeit ist der gebürtige Sachsen-Anhalter Vorstandsmitglied bei einer ostdeutschen Volksbank. Die Personalie sollte Anfang September öffentlich werden. Zuvor wollte der designierte neue erste Mann der Stendaler Sparkasse mit seinem Aufsichtsrat klären, ob ein schneller Wechsel vor dem eigentliche Kündigungstermin 31. März möglich wäre.

Deutliche Mehrheit im Verwaltungsrat

Die Absage kommt auch insofern überraschend, da der Vertrag inzwischen unterschriftsreif vorgelegen habe, so Wulfänger. Völlig unbekannt konnte dem Volksbanker, der auch Erfahrungen bei einer Sparkasse und der Postbank gesammelt hat, die Situation in Stendal nicht gewesen sein - immerhin gibt es in der Hansestadt bereits einen Banker, mit dem der Kandidat bereits eng zusammengearbeitet hatte.

Die Entscheidung des Verwaltungsrates am 7. August fiel zudem eindeutig aus: Mit elf zu vier Stimmen konnte sich der 47-Jährige damals durchsetzen. Er bekam alle Stimmen der unterschiedlichen politischen Lager. Dabei ist er selbst politisch aktiv und gehört als Beisitzer dem CDU-Stadtvorstand seines Wohnortes an. Wie es heißt, hatte sich auch Sparkassenvorstand Paul Rodermann für ihn ausgesprochen.

Zweitplatzierter mit Burmeister-Verbindung

Die Mitglieder des Verwaltungsrates werden jetzt am 3. September zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Vorsitzender Wulfänger will dann "die verbliebenen Kandidaten" für den Vorstandschef zur Abstimmung stellen, kündigte der Landrat gestern an.

Die Personalie des Zweitplatzierten ist dabei durchaus pikant: Die vier Stimmen, die der ebenfalls 47-Jährige Anfang August im Verwaltungsrat erhielt, kamen komplett aus den Reihen der fünf Bedienstetenvertreter. Der aus Schleswig-Holstein stammende Banker und Jurist ist derzeit Vorstandsmitglied einer norddeutschen Volksbank.

Von der gibt es zumindest eine indirekte Verbindung zur Stendaler Kreissparkasse: Der Sohn von Ex-Vorstandschef Dieter Burmeister ist dorthin zum 1. April dieses Jahres als Bereichsleiter gewechselt.

Da das Bewerbungsverfahren noch nicht abgeschlossen war, sind theoretisch noch alle Kandidaten wählbar. Sollte keiner eine Mehrheit im Verwaltungsrat bekommen, muss die Stelle erneut ausgeschrieben werden.