Stendal l Das Jobcenter Stendal versteht sich als offenes Haus. "Wir sehen unsere Kunden als Partner, mit denen wir ein Bündnis eingehen und gemeinsam erreichen, dass sie wieder in Arbeit integriert werden. Zusätzlich erhalten unsere Kunden Hilfe zum Lebensunterhalt", erläutert Geschäftsführerin Marion Emmer das Anliegen des Jobcenters.

Dieses Miteinander sollte von gegenseitiger Achtung und von Respekt geprägt sein. Dennoch kann es zu Situationen kommen, die zu eskalieren drohen und die der Mitarbeiter allein nicht bewältigt kann.

Hier gibt es nun mittels Handalarm die Möglichkeit, Hilfe herbeizuholen. Das kleine Gerät passt in die Hosentasche, an den Schlüsselbund oder liegt unscheinbar auf dem Schreibtisch. "Zum Einsatz gekommen ist es seit der Einführung vor ein paar Monaten noch nicht", ist Marion Emmer froh. Denn den Handalarm oder eine weitere Möglichkeit der Alarmierung von Helfern stellt eine Situation dar, zu der es möglichst gar nicht erst kommen sollte.

"Hin und wieder gibt es auch einige wenige Kunden, die nur schwer mit ihrer persönlichen Situation umgehen können und unangemessen reagieren. In solchen Fällen ist es oberstes Gebot, den Kunden wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuführen. Hierfür wurde auch ein Kundenreaktionsmanagement eingerichtet. Zusätzlich gibt es ein Schutz- und Sicherheitskonzept, das nach einem tödlich Vorfall in einem Jobcenter in Neuss im vergangenen Jahr auch in Absprache mit der Polizei überarbeitet wurde."

Mitarbeiter entscheiden selbst, ob sie Pieper nutzen

Eine zusätzliche Maßnahme ist die Anschaffung des Hand- alarms. Alle 240 Beschäftigten des Jobcenters haben das Gerät erhalten. "Ob sie es tragen, bleibt jedem selbst überlassen", sagt Marion Emmer. Zwar bietet der schrille Ton, der bei Auslösung ertönt und Mitarbeiter aus den Nebenzimmern alarmiert, mehr Sicherheit, "aber oberstes Gebot ist und bleibt die Deeskalation". Dafür gebe es in regelmäßigen Abständen Kommunikationsschulungen und Trainings. In einigen Fällen passiere es, dass ein Hausverbot ausgesprochen oder Anzeige wegen Beleidigung erstattet wird.

Auch im Stendaler Landrats- amt wurden die Alarmmelder getestet. "Wir können uns gut vorstellen, dass die Mitarbeiter in Büros, wo mit einem erhöhten Aggressionspotenzial der Besucher zu rechnen ist, diese Geräte bei sich tragen, um im Notfall per Knopfdruck Hilfe zu holen", erklärt Sebastian Stoll, der 2. Beigeordnete. Geplant ist, 200 Geräte anzuschaffen. Ob allerdings noch in diesem Jahr, muss entsprechend der Haushaltslage noch entschieden werden. Die Mitarbeiter können selbst entscheiden, ob sie den "Pieper" nutzen.