Die Saison begann schlecht für die Taubenzüchter der Reisevereinigung Stendal. Erstmals sollten die Tiere aus östlicher Richtung den Weg nach Hause finden. Schon beim ersten Flug kehrten von 1200 Tauben nur die Hälfte zurück in den heimischen Schlag.

Stendal l Nachdem die Züchter der Reisevereinigung Stendal jahrelang ihre Tauben aus westlicher Richtung gestartet haben, beschlossen sie für dieser Saison, östlich von Stendal zu starten. Eine fatale Entscheidung wie sich herausstellen sollte. Hunderte Tiere sind den Züchtern nun abhanden gekommen, weil die Tauben den Weg nicht zurückfanden.

Beim verhältnismäßigen kurzen Auftaktflug im Mai von Fürstenwalde nach Stendal (rund 152 Kilometer) schickten die 37 Züchter insgesamt 1220Alt-Tauben auf die Reise. Der Start erfolgte um 11.30Uhr und bereits um 14.06 Uhr landete die erste Taube. Am Wertungsschluss um 17.30Uhr schauten alle Teilnehmer allerdings erstaunt in das Auswertungsprotokoll. Denn von den 1220 gestarteten älteren Tauben waren nur rund 600 zurückgekehrt - also mehr als die Hälfte auf der Strecke geblieben. Die meisten Züchter glaubten da noch an einen Zufall und hofften, dass auf den verbleibenden elf Wertungsflügen die Verlustzahlen sich in Grenzen halten würden. Doch sie sollten sich irren.

Verluste wurden immer größer

"Die Verlustraten nahmen bei den darauffolgenden Flügen drastische Formen an. Manchem Züchter blieben beispielsweise von seinen 60 Tauben nur noch zehn übrig. Der erfahrene Stendaler Züchter Detlef Buchmann hatte rund 40 Tiere verloren und konnte auch nicht mehr an weiteren Starts teilnehmen. Diese Tendenz zog sich durch die Züchterreihen, so dass eine trübe Stimmung im Verein aufkam, denn durch die Verluste wurde nicht nur das Hobby beeinträchtigt, sondern sie bedeuteten auch einen finanziellen Schaden. Denn die hochwertigen Tauben sind bei der Anschaffung nicht billig, verlangen kostspieliges Futter, eine tierärztliche Betreuung, Startgelder und eine technische Ausstattung für die Bewertung der Flüge.

"So brachen wir nach der Hälfte der zwölf Wertungsflüge mit Strecken von bis zu 650Kilometern ab", erzählte der stellvertretende Vorsitzende Bernd Butzek. Auf einer Sondersitzung wurde heiß diskutiert und nach Ursachen für die hohe Verlustrate gesucht. Dabei wurden Umwelteinflüsse, die Strahlenbelastungen, die unbekannten Landschaften, der oft starke Gegenwind und Leistungsschwäche so mancher Taube genannt.

Maßnahme hatte Erfolg

Süd-westliche Strecken sollten nun bevorzugt werden, außerdem statt der Alt-Tauben die Jungtauben im Alter von wenigen Monaten fünf Wertungsflüge auf der neuen Route absolvieren. Diese Maßnahme zahlte sich offenbar aus, denn bei den bisherigen Jungtaubenflüge gab es keine nennenswerten Verluste. So auch am Wochenende, als 1003 Jungtauben von 28 Züchtern auf die Reise von Göttingen (etwa 200Kilometer) aus geschickt wurden. Die Siegertaube von Jan Schulze aus Petersmark war nach zwei Stunden und einer Minute im Schlag.