Seit acht Wochen sitzt Bernd Mäueler auf dem Kutschbock, gezogen von den beiden Stuten Melody und Fiona. Vom Planwagen aus bekam der Bonner eine ganz eigene Sicht auf Ostdeutschland. Die Tour durch die Tangerregion war fast der Abschluss seiner Reise.

Burgstall l Bernd Mäueler suchte nicht ohne Grund die einsamen Wege. "Das beste ist sandiger Untergrund, das schont die Hufeisen", erklärte er am gestrigen Mittwoch vor dem Aufbruch zu seiner letzten Etappe, die in Burgstall begann. Trotzdem lernten die zwölf- und dreizehnjährigen Noriker-Stuten Melody und Fiona in den vergangenen zwei Monaten mehrere ostdeutsche Hufschmiede kennen. Auf ihrer langen Tour durch Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nutzten sich die Eisen schnell ab, die Tiere brauchten öfter neue "Schuhe".

Rund 40 Kilometer pro Tag zogen die Pferde den etwa eine Tonne schweren Planwagen von Station zu Station. Mäueler brauchte dabei auf viele Annehmlichkeiten nicht zu verzichten. Neben dem Bett war selbst ein Kühlschrank im Wagen eingebaut. Dieser sowie Computer und Handyakku wurden von einer solarbetrieben Batterie gespeist. Nur das Leinendach musste zusätzlich durch Kunststoffplane geschützt werden. Regen und Stürmen in den vergangenen Wochen hielt das Material nicht mehr stand.

Diese Woche durchquerte das Gespann die Altmark. Von Beuster ging es nach Schinne, von dort durch das Tangerland nach Burgstall. Ihre letzte Etappe führte die drei nach Schleibnitz bei Wanzleben. Dort wird heute der Tross verladen, denn das heimatliche Bonn ruft.

Agrarwissenschaftler sorgt sich um ländlichen Raum

In Schleibnitz brach der 65-Jährige am 4. Juli auch auf. Östlich der Elbe entlang ging es durch Havelberg, entlang der Seenplatte und durch die Uckermark bis an das Stettiner Haff und von dort wieder zurück in südliche Richtung.

Vor zwei Jahren erkundeten der pensionierte Dozent und seine Pferde fünf Monate lang Frankreich. Nun war der Norden des Ostens an der Reihe. Das letzte Mal bereiste Mäueler wenige Wochen nach der Wende per Auto mit seiner Familie diese Region, nun war er allein unterwegs, "um über mich, die Vergangenheit und die Zukunft nachzudenken".

Sechs bis sieben Stunden pro Tag genoss er vom Bock aus die Natur, erinnerte sich aber auch an seinen Besuch in der untergehenden DDR vor 25 Jahren. Damals gab es selbst in den kleineren Dörfern noch Einkaufsmöglichkeiten und Gaststätten. Nun zuckelte er an deren Ruinen vorbei. Gezogen von seinen beiden treuen Stuten suchte er Wege, die auf der Karte noch vorhanden, in Wirklichkeit aber schon verschwunden waren. Wollte er sich ein Brötchen kaufen, musste er wie viele alte Damen auf den Dörfern auf den ambulanten Bäcker warten. Die Landschaft sei sehr schön, die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Mäueler habe allerdings auch Resignation gespürt, er vermisste bei vielen seiner Gesprächspartner Visionen.

Der promovierte Agrarwissenschaftler gibt der Agrarpolitik die Schuld. Das sei keine Politik für den ländlichen Raum, das sei knallharte Finanzpolitik, es zähle nur das Geld. Ostdeutschland wäre kein Einzelfall, in ganz Europa würden die Menschen in den dünn besiedelten Regionen auf der Strecke bleiben.

Melody und Fiona gingen indes politikdessinteressiert im gemächlichen Schritt und nach dieser Marathontour noch in einem erstaunlich frischen Zustand ihrem Ziel entgegen. In den kommenden Monaten genießen sie das Grün um Bonn, im kommenden Jahr führt sie Mäueler nach Thüringen.