Auch mit fast 87 Jahren ist der Forscherdrang von Hermann Kuhlmann ungebrochen. Der Stendaler hat sich der Postgeschichte verschrieben.

Stendal l "Wenn ich meinen Mann suche, ist er meistens in seiner ,Poststube` zu finden", erzählt mit einem Lächeln die Ehefrau von Herrmann Kuhlmann. Der fast 87-jährige Stendaler, der in Postämtern in Stendal und anderen Altmark-orten über 50 Jahre tätig war, versichert: "Ich bin mit Herz und Seele immer ein Postler geblieben." So zieht er sich häufig an seinen Lieblingsplatz mit Aktenordnern und Computer zurück und widmet sich mit Hingabe der Postgeschichte in der Region.

Besonderes Faible für Postmeilensteine

Diese Leidenschaft pflegt er schon seit Jahrzehnten. Als nach der Wende das Postamt an der Stendaler Hallstraße dicht machte, das Bahnpostamt eine andere Funktion erhielt und etliche kleine Poststellen im Landkreis geschlossen wurden, versuchte Kuhlmann mit Gleichgesinnten, möglichst viel Material wie Schriftstücke, Fotos, Stempel vor der Vernichtung zu retten. Sie lagern teilweise noch in Kisten und warten auf ihre Sichtung sowie Aufarbeitung. Einiges wurde auch dem Stadtarchiv übergeben, um möglichst viel der Nachwelt zu erhalten.

Postmeilensteine haben es Kuhlmann besonders angetan. Im mehreren Bücher widmet er sich diesem Themen. So erzählt er die Geschichte von 15 Postmeilensteinen zwischen Rogätz und Arendsee. Dank seiner Hinweise und der Zusammenarbeit mit Gemeinden und Denkmalbehörden erhielten eine Reihe dieser Postmeilensteine nach Restaurierung wieder ihren angestammten Platz.

Inzwischen hat der Hobby-Historiker auch die Postgeschichten von Grieben, Schinne, Arneburg und Lüderitz in kleinen Büchern festgehalten. Etwas dicker ist die Ausgabe der Stendaler Postgeschichte zwischen den Jahren 1664 und 1945 ausgefallen. Das Faible von Herrmann Kuhlmann hat sich herumgesprochen. So bekommt er immer mal wieder Fotos oder Schriftmaterial, die seine Nachforschungen ergänzen oder gar in ein neues Licht rücken. So erhielt er kürzlich aus dem Nachlass eines Osterburgers einen Beleg, der im Mai 1803 als Einlieferungsschein für eine Geldsendung im "Königlichen Posthaus" in der Hallstraße 13 in Stendal ausgestellt wurde.

Neues Buch in Arbeit: "Abschied vom Posthorn"

Andere Unterlagen belegen, dass sich 1752 an der heutigen Ecke Breitestraße/Vogelstraße ein Postamt befand und in Wüste Worth 18 und später in der Karlstraße 2 ein Herr Miehe als Posthalter tätig war. 1852 befand sich in der Hallstraße 19 die Posthalterei Dröscher.

Es gibt noch viel zu erforschen für Herrmann Kuhlmann. Sein nächstes Buch hat er bereits in Arbeit. Es trägt den Titel "Abschied vom Posthorn" und erzählt von der Umstellung des Postransportes von der Kutsche auf die Eisenbahn.

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