Bis Anfang August gab es in diesem Jahr im Landkreis Stendal 18 Verkehrsunfälle, an denen Kinder beteiligt waren. Zwei davon ereigneten sich auf dem Schulweg. Grund genug für Stendals Polizei daran zu erinnern, dass am 4. September wieder die Schule losgeht. Christian Bark sprach mit Polizeikommissar Fred Mücke über Hinweise für Eltern, Kinder und Autofahrer für einen sicheren Schulweg.

Volksstimme:Bei den Verkehrsunfällen 2014 wurden sechs Kinder leicht und zwei schwer verletzt. Geben solch relativ geringe Zahlen Grund zum Optimismus?

Fred Mücke: Wenn die Zahlen auch nicht so hoch sind, jeder dieser Unfälle ist einer zu viel. Es gibt es keinen Grund zur Entwarnung.

Wie können denn gerade Schulanfänger darauf vorbeireitet werden, den sichersten Weg zur Schule zu nehmen?

Da sind die Eltern oder Großeltern gefragt. Für die Kinder sind sie Vorbilder und sollten sich entsprechend verhalten. Ich empfehle, dass die Eltern zusammen mit ihren Kindern noch vor dem Schulanfang den entsprechenden Weg zurücklegen und darüber sprechen. Beim Trainieren sollten sie nicht mit Lob und Anerkennung sparen. Das motiviert die Kinder, alles richtig zu machen.

Worauf muss geachtet werden, wenn Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden?

Kinder unter zwölf Jahren, die kleiner als 1,50 Meter groß sind, sollten mit einem geeignetem Rückhaltesystem, sprich Kindersitz in Verbindung mit dem Sicherheitsgurt, gesichert werden. Die Kinder sollten den Gurt ruhig selbst anlegen. Eltern sollten rechtzeitig losfahren, um unnötige Hektik zu vermeiden. Niemand darf bei der Beförderung seiner Kinder Kompromisse eingehen.

Was verstehen Sie unter erwähnten Kompromissen?

Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Kommt doch mal was dazwischen, ist eine Verspätung allemal besser als ein Unfall. Halten Sie auch auf der richtigen Straßenseite, damit die Kleinen nicht noch die Straße überqueren müssen.

In zehn der 18 Unfälle waren Kinder mit dem Rad unterwegs. Sollte der Drahtesel also besser im Keller bleiben?

Schulanfänger sollten grundsätzlich nicht mit dem Fahrrad zur Schule geschickt werden. Im Alter von sechs oder sieben Jahren sind Kinder noch nicht in der Lage, das Rad sicher zu beherrschen und gleichzeitig noch auf den Verkehr zu achten. Im vierten Schuljahr erwartet die Schüler dann eine Fahrradausbildung mit anschließender Radfahrprüfung. Bei der Radfahrausbildung unterstützt die Kreisverkehrswacht Stendal an den Schulen. Die praktische Fahrradprüfung führt die Polizei durch. Nach bestandener Prüfung sollten die Schüler fit für den Straßenverkehr sein.

Sind die Kinder mit dem Schulbus immer noch am sichersten unterwegs?

Schulbusse sind vergleichsweise sichere Verkehrsmittel. Unfälle ereignen sich weniger bei der Fahrt, sondern vielmehr beim Warten an der Haltestelle, beim Ein- und Ausstieg in den Bus oder beim Überqueren der Straße. Das und das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollten Eltern vorher mit ihren Kindern üben. Autofahrern empfehle ich, den Fuß vom Gas zu nehmen und bremsbereit zu sein, sobald Kinder am Straßenrand auftauchen.