Stendal l Eigentlich wollte ich nur herausfinden, wie die Altmärker so reagieren, wenn sie nominiert werden. Auf Facebook grassiert derzeit das Ice-Bucket-Challenge-Fieber (Eiskübel-Wettbewerb). Die Aktion, die in Amerika ihre Wurzeln hat, funktioniert nach dem Motto Spaß oder Spende. Wer also via Facebook Opfer einer Nominierung geworden ist, muss sich entscheiden, ob er zugunsten von Patienten mit der Nervenkrankheit ALS einen Betrag spendet, oder sich lieber einer Eiswasserdusche unterzieht. Als Beweis wird die Aktion gefilmt. Das Video wird auf Facebook gestellt. Das Opfer darf jetzt zum Täter werden und drei weitere Opfer nominieren, die sich dann dieser Aktion stellen müssen.

Aus Spaß wird Ernst, oder umgekehrt

Angefangen hat dieser Quatsch, wie ich es nenne, in Amerika, wo sonst. Doch mit der Zeit habe ich auf Facebook mehr und mehr Menschen aus der Altmark gefunden, die diesem Trend gefolgt sind. Grünen-Politiker Christian Franke aus Salzwedel, zum Beispiel, der diese Aktion total witzig findet.

Witzige Aktion? Eigentlich geht es doch darum, Geld für die Forschung zur Nervenkrankheit ALS zu bekommen. Außerdem kommt das Geld zwar der Forschung zugute, wie aktuell aber bekannt wurde, werden dafür auch Tierversuche gemacht. ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist ein schweres, unheilbares und letztlich tödliches Nervenleiden, das mit großen Schmerzen einhergeht. Klingt nicht, als wäre es spaßig. "Man muss es auch so sehen, dass man mit dieser Aktion innerhalb von kürzester Zeit viele Menschen erreichen und über die Krankheit ALS informieren kann", verteidigt Franke die Aktion. "Ich wusste vorher nicht, was ALS ist und habe mich im Rahmen dieser Aktion damit beschäftigt. Und wenn die Leute auch spenden, ist doch gut." Er selbst hat auch gespendet.

Ein Gedanke, der gar nicht so abwegig ist, finde ich. Bis vor ein paar Tagen habe auch ich nicht gewusst, was ALS ist und mich belesen müssen. Ohne diese Aktion hätte ich das wohl nicht getan.

Tom Weber, Schauspieler im Theater der Altmark wurde von der Eiskübel-Aktion im Urlaub überrascht. Via Facebook nominiert, hat er aber erst durch das Volksstimme-Gespräch davon erfahren. "Tja, was mache ich denn nun?", überlegt er und entscheidet sich spontan für die Spende an die ALS-Stiftung, weil er gerade wieder von einer Erkältung genesen sei. Nun ja, die neue TdA-Spielzeit steht vor der Tür und das Publikum würde ihn auf der Bühne wohl auch lieber sehen, als bei verrückten Aktionen im Internet. Obwohl...

Auch Marcus Graubner aus Tangerhütte, Leiter des Allgemeinen Behinderten-Verbandes Stendal, findet diese Aktion großartig und hat sich dem kühlen Nass ausgesetzt. "Zusammen mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband werden wir spenden", erzählt er. "Allerdings für unsere Vereinsarbeit. Wir haben hier sehr viele Bausstellen."

So hat es auch der Stendaler Musiker Tilman Frieser gehandhabt. Er wurde nominiert, "also musste ich da durch. Man will ja kein Spielverderber sein", sagt er. Gespendet hat er für einen Verein in der Region. Weil er aber kein Held sein möchte, bleibt der Name des Vereins geheim. Dafür hat er sich aber richtig ins Zeug gelegt und sich mit einem Sprung in die kalte Ostsee, wo er gerade urlaubt, dem Wettbewerb gestellt. Und hier komme ich ins Spiel. Ich wurde nämlich von ihm nominiert. Nachdem ich die ersten Rachegedanken beiseite gelegt habe, musste ich mir tatsächlich überlegen: Mach` ich`s oder mach` ich`s nicht?

Eiskalte Erfahrung für den guten Zweck

Die Gedanken an die alberne Aktion, die sich um eine schwere Krankheit rankt und der Gedanke an die Aufmerksamkeit, die man zwar einerseits sich selbst, andererseits aber tatsächlich für ernste Themen und soziale Projekte erreichen kann, standen sich etwa 50:50 gegenüber. Also habe ich es getan, ich will ja auch kein Spielverderber sein. Es war eine eiskalte Erfahrung! Aber eine schöne, denn jetzt kann ich drei potenzielle Opfer auswählen.

Mehr Informationen zu ALS und zur Ice-Bucket-Challenge unter: www.volksstimme.de/als

 

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