Tangerhütte l Am morgigen Donnerstag beginnt um 19 Uhr im Tangerhütter Kulturhaus das Duell der Kandidaten um das Bürgermeisteramt in der Einheitsgemeinde Tangerhütte. Im Vorfeld stellt Volksstimme beide Bewerber vor. Heute: Michael Conrad.

Er möchte zurück in die Kommunalpolitik, begründete der 53-jährige Michael Conrad, geboren in Berlin-Neukölln, seine Kandidatur um das Bürgermeisteramt in Tangerhütte. Bereits von 1986 bis 1992 war er Bezirksverordneter in seinem Heimatbezirk Berlin Tempelhof, anschließend engagierte er sich als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes im brandenburgischen Teltow-Fläming, hatte zeitweise auch das Amt des Stellvertreters inne. In das Rennen geschickt wurde Conrad nun vom Tangerhütter CDU-Ortsverein. In dieser Partei ist er seit 32 Jahren Mitglied, zuvor war er bereits in der Jungen Union und der Schülerunion.

Seine berufliche Laufbahn begann der Volljurist, der seit 1997 als Rechtsanwalt zugelassen ist, als Leiter des Rechts- amtes der Stadtverwaltung Ludwigsfelde. Drei Jahre später wechselte er in die freie Wirtschaft. Elf Jahre lang war er für Elf/Minol beziehungsweise als Geschäftsführer einer deren Tochtergesellschaften tätig. Im oblag die Grundstücksverwaltung. So lernte er nach der Wende auch erstmals Tangerhütte kennen, als er für den Konzern das Minol-Grundstück in der Stadt verkaufte. Ansonsten kennt er die Altmark bisher eher wenig.

Den Schritt zurück in die Lokalpolitik versuchte Conrad bereits 2006. In Güsten gewann er die Wahl zum Verwaltungsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Saale-Wipper. Aus formellen Gründen wurde diese Wahl allerdings für ungültig erklärt und nach erneuter Ausschreibung des Amtes unterlag er in einer Auslosung.

Derzeit arbeitet der Bürgermeisterkandidat als Justitiar in einem größeren mittelständischen Unternehmen in Rheinland-Pfalz. Den Namen des Betriebes und den Standort wollte er gegenüber Volksstimme nicht nennen, um im Falle einer eventuellen Wahlniederlage seinen Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Sein Arbeitgeber wisse noch nichts von der Kandidatur. Sollte Conrad die Wahl gewinnen, könne er, da Kündigungsfristen einzuhalten seien, auch erst Anfang des kommenden Jahres das Amt antreten.

Conrad, Mitglied der Selbständig Lutherischen Kirche, ist seit 20 Jahren verheiratet und hat drei Kinder (11, 16 und 20 Jahre). Die Familie lebt in Berlin. Sollte er die Wahl gewinnen, wolle er erst einmal allein nach Tangerhütte ziehen und anschließend seine Familie nachholen.

Freiwillige Aufgaben ohne Steuererhöhung

Auf den freien Chefsessel im Tangerhütter Rathaus wurde Conrad durch die Ausschreibung aufmerksam. Im Falle seiner Wahl sei es eine große Herausforderung, über mehrere Jahre einen soliden Haushalt aufzustellen, der auch einen Überschuss aufweist. Es gelte so zu planen und zu investieren, "dass auch kommende Generationen hier angemessen wohnen und leben können". Freiwillige Aufgaben, wie der Betrieb des Kulturhauses oder der Erhalt von Schloss und Park, sollten auch künftig erfüllbar sein, es dürften dafür aber nicht "ohne Ende die Steuern erhöht werden", denn auch das würde die Leute wegtreiben.

Die Stärke Tangerhüttes und der umliegenden Dörfer sieht er in der Landschaft. Zwar sei die Einheitsgemeinde nicht so attraktiv wie das benachbarte Tangermünde, trotzdem könne auf touristischer Schiene etwas erreicht werden, ist er überzeugt. Außerdem gelte es, den Mittelstand zu fördern. Der sei die Säule der Wirtschaft, "denn große Unternehmen kann auch ich nicht mitbringen", dafür aber Lebens- und Berufserfahrung.

Conrad ist allerdings davon überzeugt, dass der Bau der A 14 für die Wirtschaft der Region ein Vorteil wäre.