Ideen muss man haben, wie ein aktuelles Projekt des Kleingartenvereins "Gartenfreunde 20" und des Stendaler MAD-Clubs zeigt. Damit eine verwaiste Parzelle in der Gartensparte nicht völlig verwahrlost, kümmern sich junge Menschen aus dem Jugendclub um das kleine Stück Land.

Stendal l Etwas verwundert schauen die "Stamm"-Kleingärtner aus der Sparte "Gartenfreunde 20" an der Heerener Straße auf die Parzelle Nummer 5. Hier sind seit einigen Wochen Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren tätig, die eigentlich nicht in das Altersbild der gestandenen Mitglieder einer Gartensparte passen. Wie die neuen Gartenfreunde in diese Anlage gekommen sind, weiß Susann Junghans, Mitarbeiterin im Stendaler MAD-Jugend-Club, zu berichten.

"Jugendliche haben Interesse für Garten."

Susann Junghans, Mitarbeiterin MAD-Club

"Ich bin seit etlichen Jahren hier Vereinsmitglied und bewirtschafte einen Garten in diesem Weg. Nach dem Wegzug der ehemaligen Pächter von Nummer 5 sah ich, wie dieses Grundstück immer mehr verwilderte und keinen schönen Anblick bot. Da kam mir über Nacht die Idee, dass sich unter den Jugendlichen unseres Clubs doch sicherlich Interessenten für die Gartenarbeit finden würden, was auch in das Freizeitkonzept unserer Einrichtung passen könnte. Denn schließlich soll man den Jugendlichen auch Verantwortung übertragen und Möglichkeiten einräumen, dass sie den Umgang mit Pflanzen und der Natur lernen." Als Spartenmitglied Detlef Hildebrandt von dem Vorhaben hörte, Jugendlichen Verantwortung für eine Gartenbewirtschaftung zu übertragen, meinte er: "Wir sind eine große Gartengemeinschaft mit über 118 Parzellen. Da einige davon leider leer stehen - 88 sind besetzt -, freuen wir uns über jeden, der Interesse für die Gartenarbeit aufbringt, sich in das Gemeinschaftsleben einfügt und damit zum Abbau des Leerstandes beiträgt."

Inzwischen trifft man dort schon mehrmals in der Woche zwischen vier und acht Jugendliche im Garten an, wo sie nach gemeinschaftlichen Absprachen unter der Leitung des 24-jährigen Michael Schieske auf dem 500 Quadratmeter großen Grundstück zunächst mit der Beseitigung von Unkraut und Wildwuchs begonnen, so dass jetzt schon saubere Flächen und ein System zu erkennen sind.

"Spaß bei der Arbeit gehört dazu"

Steven Volk, Junggärtner

Auch das erste Obst und Gemüse konnte schon geerntet werden. Das sind nicht nur gefragte Leckereien für die Junggärtner. Davon profitieren auch die anderen Jugendclubmitglieder, wenn die Ernteergebnisse in der MAD-Club-Küche verarbeitet oder bei Partys und anderen Veranstaltungen angeboten werden.

"Natürlich ist der Umgang mit Hacken, Spaten und Pflanzgut etwas ungewohnt und etwas Neues für uns, aber wir haben Spaß bei der Arbeit, wobei auch die gemütlichen Pausen dazugehören. Wenn wir nicht weiterkommen und Ratschläge brauchen, rennen wir schnell rüber in Susi Junghans` Garten. Oder wir klären Probleme, wenn sie uns besucht. Hilfe und Ratschläge erhalten wir auch von den erfahrenen Gärtnern, wenn wir mit ihnen am Zaun ins Gespräch kommen", erzählten Steven Volk, Rene Gurke und die anderen aus der Gruppe.

Demnächst soll auch die massive Laube auf dem Gartengrundstück hergerichtet werden. Stühle und Tische wurden schon von Sponsoren zur Verfügung gestellt.

"Wir würden uns freuen, wenn uns jemand noch eine brauchbare Pumpe für die Wasserversorgung bereitstellen könnte", sagt die Initiatorin Susann Junghans.