Am Donnerstagabend wurde in Tangerhütte die heiße Phase des Bürgermeister-Wahlkampfes eingeleitet. Michael Conrad und Andreas Brohm standen sich im Kulturhaus gegenüber, stellten sich den Fragen der Bürger.

Tangerhütte l Der große Saal des Kulturhauses war gut gefüllt. Das Interesse an dieser Wahlkampfveranstaltung lässt auf eine höhere Wahlbeteiligung hoffen. Die Bürger der Einheitsgemeinde kamen, um die beiden Bewerber um den Tangerhütter Bürgermeisterstuhl kennenzulernen. Sie erlebten eine jungen spontanen Einzelbewerber Andreas Brohm, der für Kreativität steht und Aufbruchstimmung verbreitet, und sie lernten auf der anderen Seite einen gesetzten Michael Conrad, von der CDU ins Rennen geschickt, kennen, der Lebenserfahrung und juristischen Hintergrund mitbringt. Nach der Wahlveranstaltung wünschte sich manch einer, dass eine Brohm-Conrad-Mischung ins Rathaus einzieht. Um so spannender wird das Ergebnis des Urnengangs am 14. September erwartet.

Familien sollen nach Tangerhütte kommen

Die beiden unterschiedlichen Kontrahenten gingen fair miteinander um. Keiner versuchte das "Blaue vom Himmel" herunterzulügen. Kommunalpolitisch sind sie lange nicht mehr (Conrad) beziehungsweise überhaupt noch nicht (Brohm) in Erscheinung getreten. Umso mehr muss man ihren Mut bewundern, sich den nicht gerade einfachen Tangerhütter Verhältnissen stellen zu wollen.

Der gebürtige Tangerhütter Andreas Brohm (35 Jahre alt) tourte in den vergangenen zehn Jahren als Musical-Manager durch Europa. Mittlerweile verheiratet und Vater eines fast vierjährigen Sohnes, suche der Betriebswirt nun für die Familie eine dauerhafte Heimat. Was liege näher, als dafür seine alte Heimat zu wählen, zumal es dort derzeit eine herausragende Position zu besetzen gebe. Er versprach, gemeinsam mit den Menschen neue Ideen zu entwickeln und für deren Verwirklichung den Kopf hinzuhalten.

Michael Conrad (53), in Berlin geboren, hat seinen beruflichen Einstand in der kommunalen Verwaltung gegeben, anschließend verdiente der Volljurist in der freien Wirtschaft sein Geld. Nun wolle er sich seinen lang gehegten Wunsch erfüllen und in die Kommunalpolitik zurückkehren. Er könne sich vorstellen, das dritte Drittel seines Berufslebens in Tangerhütte zu verbringen. Erst einmal wolle er zwischen Rathaus und der Familie in Berlin pendeln. Dies vor allem mit Rücksicht auf den Sohn, der gerade in der Abiturvorbereitung stecke. Später wolle er die Familie nachholen, könne sich gut vorstellen, einen kleinen Bauernhof zu bewirtschaften.

Der parteilose Ex-Stadtrat Michael Nagler moderierte die Veranstaltung, überließ es nach einer kurzen Vorstellungsrunde dem Publikum, den Kandidaten die Fragen zu stellen. Zuerst ging es darum, wie die Wirtschaftskraft Tangerhüttes gesteigert werden kann.

Das vorhandene Potenzial sei bescheiden, es habe sich in den vergangenen Jahren nicht viel getan, bilanzierte Brohm. Die Menschen müssten Selbstvertrauen bekommen und gemeinsam neue Ideen umsetzen. "Viele sind besser, als sie glauben."

Auch Conrad könne keine Großindustrie aus dem Ärmel schütteln, diese siedele sich mittlerweile nicht mehr in Deutschland an. Es gelte, die vorhandenen Unternehmen zu halten. Er bot an, bei Bedarf die Betriebe "an die Hand zu nehmen", um ihnen in einem "überreglementierten" Zeitalter weiterzuhelfen. Conrad und Brohm eint, dass beide dem Tourismus in der Region eine Chance geben.

Die Verwaltung als Dienstleister

Die Arbeit der Vereine stellte keiner der Kandidaten in Frage. Insgesamt müsse das gesellschaftliche Leben in der Stadt und auf den Dörfern gefördert werden. Die Meinungen gingen auseinander, als es um den Erhalt der notwendigen Infrastruktur ging. Selbst wenn es schwierig sei, so Brohm, müssten diese unter allen Umständen erhalten werden. Conrad stellte die Frage nach der Leistbarkeit. Haushalterisch gesehen müsse hinterfragt werden, ob alles erhalten werden kann, oder ob es sinnvoll sei, punktuell auf die Infrastruktur zu setzen.

Der demografische Wandel mache laut Conrad um Tangerhütte keinen Bogen. Mit der geplanten A14 im Hintergrund und der Ausweisung von Baugebieten könnte aber vielleicht doch die eine oder andere junge Familie aus Magdeburg hierher gelockt werden, schließlich sei die Landeshauptstadt mit ihren Arbeitsplätzen nicht weit entfernt. Brohm setzt dagegen darauf, dass sich der Ruf Tangerhüttes verbessert. Die Reize der Region müssen bekanntgemacht werden, dann kämen die Menschen.

In der Verwaltung sehen beide Kandidaten ein Dienstleistungsunternehmen. Für Brohm sei man "davon möglicherweise noch weit entfernt". Er wolle aber, sofern er die Wahl gewinnt, für jeden "einzelnen Mitarbeiter den Kopf hinhalten". Conrad sehe in der Verwaltung in erster Linie eine öffentlich-rechtliche Gebietskörperschaft. Die Bürger sollten aber nicht wie Bittsteller, sondern wie Kunden behandelt werden.