Nach der Bürgermeisterwahl ist die Tangerhütter Zeit für Hans-Dieter Sturm beendet. Im Auftrag des Landkreises führte er ab dem 1. März die Kommune. Sein Fazit: Tangerhütte steht vor einer Herku-lesaufgabe.

Tangerhütte l "Es ist schlimm, dass ich jetzt erst gesehen habe, was für ein Kleinod der Park ist." Während seiner Zeit als Beauftragter des Landkreises hatte Hans-Dieter Sturm wiederholt mit dem Tangerhütter Park und dem Schloss zu tun. In erster Linie spielte dabei Geld eine Rolle, das nicht da ist. Schließlich führte Ortsbürgermeister Gerhard Borstell den Verwaltungsfachmann vor wenigen Tagen, quasi in den letzten offizielle Stunden seiner Amtszeit, über das Areal, zeigte, was ihm vom Rathausschreibtisch aus verborgen blieb.

Seit Anfang Mai wühlte sich Sturm in der Verwaltung durch Papierberge, lernte die Ortschaften und ihre Probleme überwiegend aus Akten kennen. Zeit, die knapp 300 Quadratkilometer mit eigenen Augen zu erleben, blieb dabei kaum. Er will dies nun gemeinsam mit seiner Frau nachholen. Sein Vertrag über die Wohnung in Tangerhütte läuft noch bis zum 30. September. Diese Zeit soll für ausgedehnte Radtouren genutzt werden.

Die Landschaft mit ihrer Geschichte, die er nun genießen möchte, bezeichnet er auch als Stärke der Region. Es müsse nur gelingen, dies besser zu vermarkten. Das erfordere Privatinitiative und das wiederum positives Denken.

Die Landschaft bringt Chancen und Last

Diese Pfunde, mit denen die Einheitsgemeinde wuchern könne, seien gleichzeitig aber auch ihre Last. Viele Straßenkilometer wollen erhalten werden, auch viele Feuerwehrgebäude und viele Dorfgemeinschaftshäuser. Das erfordere größere Aufwendungen als in kleinen, dichter besiedelten Gebieten. Auf Bürgermeister, Stadtrat und Verwaltung komme eine Herkules-Aufgabe zu, meint Sturm nachdenklich und fügt hinzu: "Seit ich in Tangerhütte bin, habe ich mehr Verständnis für die Probleme einer Flächengemeinde."

Hans-Dieter Sturm entwickelt seine kommunalpolitische Sicht in einem Alter weiter, in dem viele seiner Kollegen bereits den Ruhestand genießen. Er ist 67 Jahre alt und Pensionär. Er durchlief die kommunalpolitische Laufbahn von der Pike auf, war Samtgemeindedirektor in seiner Heimatgemeinde Lutter (Landkreis Goslar), anschließend stellvertretender Landrat und erster Beigeordneter im Kreis Halberstadt nach der Kreisfusion im Harz. Warum übernimmt er noch solche Aufgaben wie in Tangerhütte? "Weil Verwaltung immer wieder Spaß macht", kommt die spontane Antwort. Außerdem habe er einen Lehrauftrag an der Hochschule Harz, sei also auch als Pensionär im Geschäft, stecke kommunalrechtlich in der Materie.

Darüber hinaus sei die Einheitsgemeinde Tangerhütte für ihn ja kein unbekanntes Territorium gewesen. Bereits zwischen März 2013 und April 2013 stand er der damaligen Bürgermeisterin Birgit Schäfer als Berater zur Seite. Damals wurde er von Ex-Landrat Jörg Hellmuth in die Altmark geholt, nunmehr von dessen Nachfolger Carsten Wulfänger. Zwischendurch bestellte das Innenministerium den verwaltungstechnischen Feuerwehrmann in die Stadt Oberharz am Brocken.

Ein zweites Mal in Tangerhütte angekommen, kannte man den Harzer. "Das war ein Vorteil. Man brachte mir Vertrauen entgegen." Seine wichtigste Aufgabe damals? "Die Verwaltung zu führen", antwortet er. Verwaltung sei Teamarbeit und die Mitarbeiter zogen mit, bedankt er sich. Sturm nannte die Einführung der Doppik und die Haushaltskonsolidierung als Beispiele. Die Grundlagen seien bereits vor seinem Amtsantritt geschaffen worden, "ich konnte die Früchte mit ernten."

Streit darf es nur bei Sachfragen geben

Hat er Marken gesetzt? "Marken setzen klingt gewaltig", lächelt Sturm bescheiden. Wenn er sich etwas gutzuschreiben habe, dann, dass er Denkanstöße gegeben habe, Ruhe und Sicherheit ins Rathaus brachte, den Mitarbeitern den Rücken stärkte. Ausdrücklich wünsche er sich für Tangerhütte, dass sich die Fronten zwischen Stadtrat und Verwaltung auflösen. Streit auf sachlicher Ebene sei richtig und wichtig. Auf persönlicher Ebene sei er aber fehl am Platze. Dem künftigen Bürgermeister wünscht Sturm, dass er die Verwaltung führen kann und einen Draht zum Stadtrat findet. Allen Kommunen wünscht der Fachmann eine Finanzausstattung, die es auch künftig ohne unangemessene Gebühren ermöglicht, dass es sich in der Fläche gut leben lässt.