Wenn Wolfgang List am Tag des offenen Denkmals, 14. September, seine Läutewerke-Sammlung für Besucher öffnet, kann er wieder einige Neuheiten präsentieren. Derzeit umfasst die Sammlung 27 Läutewerke - einmalig in Deutschland.

Stendal l Mit seinem einfachen, auch noch grauen Blechgehäuse macht der neueste Zugang in Wolfgang Lists Läutewerkesammlung auf den ersten Blick nicht so viel her. Aber wie so oft im Leben gilt: Auf die inneren Werte kommt es an. Denn es handelt sich um ein ganz besonderes Läutewerk der Berliner Firma Bosse, hergestellt um 1900. "Diese Bauform ist relativ selten", erzählt der Stendaler Eisenbahnhistoriker, der 1985 mit seiner Sammlung begonnen hat, also vor fast drei Jahrzehnten.

"In letzter Zeit hat sich hauptsächlich innen etwas getan."

Das historische Wandläutewerk, das in der Nähe von Ludwigslust im Dienst war, hatte der frühere Besitzer vor mehr als 50 Jahren als Geschenk zu seinem Polterabend bekommen. Lange Zeit lag es in einer Kiste, später diente es im Wochenendhaus als Hausklingel. Über einen befreundeten Sammler in Schwerin, Peter Kunze, kam Wolfgang List schließlich an das Läutewerk. "Dieser Typ ist der letzte, der in Deutschland noch in Betrieb ist", erklärt Wolfgang List, denn eines der Geräte erfüllt immer noch seine Funktion: mit Glockenschlägen (Läutesignalen) das Nahen von Zügen signalisieren. Im Frühjahr dieses Jahres kam das besagte Läutewerk in die Stendaler Sammlung, mittlerweile hängt es im Posten 93, wie der Ausstellungsraum ganz eisenbahnerisch heißt.

Im Mai ergänzte Wolfgang List seine Sammlung um ein Tischläutewerk. Alle seine 27 elektromechanischen Läutewerke - die im Garten und die im Posten 93 - sind funktionsfähig. Beispiele für alle Bauformen, die es gegeben hat, kann der Stendaler vorweisen. "Aber nicht alle Hersteller, von denen es in Deutschland fast 30 gab. Mein Sammelziel ist, Läutewerke von möglichst vielen Herstellern zusammenzutragen", erklärt der Eisenbahnhistoriker. Als er mit dem Sammeln begonnen hat, sei sein "stiller Traum" gewesen, in jedem Jahr ein neues Stück hinzuzufügen.

Während die großen Läutewerke im Garten seit Jahren stehen, "hat sich in letzter Zeit hauptsächlich innen etwas getan. Dort herrscht reges Leben", sagt Wolfgang List. Aus Sammlersicht verständlich, denn die kleineren Wand- und Tischläutewerke waren nur Kontrollgeräte, darum kamen sie seltener vor als die großen Außengeräte. Darum hat er jetzt sein Hauptaugenmerk auf die Zimmerläutewerke gerichtet.

"Nicht alle gleich, es gibt schon Unterschiede in den Details."

Auf den ersten Blick wirken die Läutewerke fast gleich, "aber es gibt schon Unterschiede in den Details", sagt Wolfgang List. Das fängt bei der Anzahl der Glocken an und reicht bis zu verschiedenen Federn beim Aufziehen.

Bis etwa 1965 gehörten die Läutewerke zum Alltag der deutschen Eisenbahnen, dann wurden sie ausgemustert und verschrottet. Hin und wieder werden Stücke bei Haushaltsauflösungen oder bei Umzügen wiedergefunden - und dann zum Beispiel im Internet angeboten. Darum hat Wolfgang List auch diese Börsen im Blick, zudem gibt es mittlerweile eine Sammlerszene und Kontakte zu Eisenbahnervereinen, manchmal erinnern sich aber auch Besucher seiner Ausstellung, so etwas noch daheim zu haben - und geben es bei dem Sammler in gute Hände. So ist der Stendaler schon an viele Stücke gekommen. Manche waren noch bestens in Schuss, von manchen gab es nur noch Einzelteile. Diese Läutewerke sind dann immer eine ganz besondere Herausforderung für den Sammler. Mit der Hilfe von Nachbarn und Freunden, die die unterschiedlichsten handwerklichen Begabungen haben, werden die fehlenden Teile vom uhrwerkähnlichen Triebwerk und vom Glocken- und Hammerwerk neu gefertigt - und am Ende schlägt die Glocke wieder.

Wer dies einmal hören möchte und dazu die Geschichte zu den elektromechanischen Läutewerke, ist für Sonntag, 14. September, den Tag des offenen Denkmals, eingeladen. Von 15 bis 17 Uhr öffnet Wolfgang List Deutschland größte Sammlung dieser Art (Zugang über den Westwall, neben Haus Nummer 4).