Bisher konnte der seit einem Jahr bestehende Rechtsanspruch zur Kinderbetreuung im Landkreis ohne Tagesmütter erfüllt werden. In Tangermünde zeichnet sich aber ein Engpass ab.

Stendal l Das Prinzip Tagesmutter wird im Landkreis Stendal so gut wie gar nicht praktiziert. Dies sagte Jugendamtsleiterin Kathrin Müller in der vergangenen Woche im Kreisjugendausschuss. "Es gibt nur eine Frau, die als Tagesmutter regulär ihr Geld verdient", sagte Müller. Insgesamt sind fünf Pflegeerlaubnisse erteilt worden, wobei die Tagesmütter jeweils maximal fünf Kinder betreuen dürfen. Es gelinge im Landkreis Stendal, quasi ohne Tagesmütter den seit einem Jahr bestehenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz durch die bestehenden Einrichtungen abzusichern. Lediglich in Tangermünde gebe es einen Engpass, sagte Müller.

Bedarf in Tangermünde wurde falsch eingeschätzt

In Tangermünde wurde ein Kindergarten neu gebaut und in der vergangenen Woche offiziell eröffnet. Dieser wird von der Johanniter-Unfall-Hilfe betrieben. 72 Kindergartenkinder und 42 Krippenkinder werden dort betreut (die Volksstimme berichtete).

"Doch das reicht nicht aus", sagte Müller im Ausschuss. Man habe in Tangermünde in Politik und Verwaltung die Kinderzahlen über Jahre unterschätzt. Die Kapazität der neuen Einrichtung sei geringer, als die vorherige. "Mittlerweile ist der Stadt das Problem bewusst", so die Jugendamtsleiterin.

Um den Engpass aufzufangen, der derzeit bei der Kinderbetreuung in Tangermünde besteht, werden zehn Kinder "nach den Spielregeln der Tagespflege" durch das CJD Billberge von zwei Frauen betreut. Diese Frauen haben anders als andere selbstständige Tagesmütter einen Träger im Hintergrund, in diesem Fall das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD). Es sei dort für die Kinderbetreuung kein zusätzliches Personal eingestellt, sondern über das vorhandene abgefangen worden.

"Wir waren bisher in einer Luxussituation", sagte Müller mit Hinblick auf die Erfüllung des Rechtsanspruchs für Eltern auf eine Kinderbetreuung. "In Magdeburg musste über Tagespflege der Rechtsanspruch der Eltern gesichert werden, das ist bei uns nicht der Fall", sagte Müller. Nun entwickle sich die Lage durch die Situation in Tangermünde aber anders.

Geringe Sätze lassen nur geringen Verdienst zu

Allerdings dürfe die Tagespflege nicht als Notnagel gesehen werden, sondern könne im Spektrum der Betreuungsmöglichkeiten eine Bereicherung sein. Dennoch müsse man realistisch sein, was die Verdienstmöglichkeiten für die Betreuer angehen. "Leben kann man von den Sätzen in der Regel nicht", sagte Amtsleiterin Müller. Die Frauen, in der Regel diese Arbeit leisten, müssten neben der persönlichen Qualifikation auch geeigneten Räume zur Verfügung stellen. "Nur dann kann eine Erlaubnis für maximal fünf Kinder gegeben werden", sagte Müller.

Der Kreistag hat darüber zu befinden, welche Geldleistungen für die Tagespflege von der Behörde an die Betreuungskräfte zu zahlen sind. Neben dem Anteil für Unfallversicherung, Alterssicherung sowie der Kranken- und Pflegeversicherung liegen die Stundensätze pro Kind bei fünf Euro und 3,50 Euro. Der höhere Satz soll gewährt werden, wenn die Tagesmutter über eine abgeschlossene pädagogische Ausbildung verfügt. Unerheblich soll aber bleiben, ob die Kinder unter oder über drei Jahre alt sind. Der Jugendhilfeausschuss empfahl die von der Verwaltung vorgelegten Sätze dem Kreistag.