Hans Hartung steht auf Rot-Weiß. Auf das Rot-Weiß der Stendaler Stadtfahne. Die erste, die er hisste, hat polnische Wurzeln.

Stendal l Der brandenburgische Adler scheint sich aufzuplustern, als eine Windböe die Fahne flattern lässt. Die rot-weiße Stendal-Fahne. Sie schmückt den Garten von Familie Hartung, die in der Straße vor dem Viehtor wohnt.

"Ich bin Stendaler. Und ich bin stolz darauf", begründet Hans Hartung die Fahne auf seinem Anwesen. "Außerdem", fügt er an, "finde ich das Wappen wunderschön." Auf die Fahne ist der 74-Jährige, der früher im Handel und dabei unter anderem im Stendaler "Möbeleck" tätig war, schon zu DDR-Zeiten gekommen. Allerdings sei das gar nicht so einfach gewesen, erzählt er. An eine Originalfahne und das Wappen mit dem roten Adler und den vier grünen Rauten war kein Rankommen gewesen.

Flagge der Rolandstadt für Neumünster

Aber Hans Hartung war findig und ging erst einmal "fremd": Er besorgte sich eine polnische Fahne; die ist rot-weiß. "Dann habe ich in einer Druckerei auf einem weißen Laken das Wappen prägen lassen. Meine Schwiegermutter hat es schließlich auf die polnische Fahne genäht", blickt der Stendaler zurück. Er ließ auf diese Weise zwei Stendal-Fahnen fertigen. Die zweite fand ihren Platz in Schleswig-Holstein. Hans Hartung schenkte sie seinem inzwischen verstorbenen Bruder, den es schon in den 1950er Jahren nach Neumünster verschlagen hatte, zum 60.Geburtstag.

In Schleswig-Holstein, aber auch in anderen Städten in den alten Bundesländern registrierten Hartung und seine Frau Heidi, dass sich dort viele Städte mit ihren Flaggen schmücken. Nicht nur an Feiertagen. "Ich fände es schön, wenn die Stendal-Fahne am Rathaus und anderen Plätzen wie dem Winckelmann-Platz zum täglichen Bild gehören würde."

Fahnen-Vorschriften für Dienstgebäude

"Wir können nicht nach Gutdünken flaggen", erklärt Stadtsprecherin Sandra Slusarek und verweist auf Erlasse von Bund und Land, die die Beflaggung an Dienstgebäuden regeln. Dort ist festgeschrieben, wann welche Fahnen aufgezogen werden. Beispielsweise am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, am Tag der Arbeit am 1. Mai und natürlich am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober.

Aber vielleicht gibt es für die vier Stadtfahnen, die in der Verwaltung vorhanden sind, doch eine kleine Chance, häufiger auf dem Markt zu wehen. Nach Beendigung der Bauarbeiten am Rathaus werde über die Gestaltung des Areals nachgedacht. Ob die Fahnen dabei eine Rolle spielen, ist aber nicht klar.

Für Hans Hartung indes ist sein Garten ohne Stendal-Fahne undenkbar. Die polnische Flagge mit aufgenähtem Rolandstadt-Wappen ist allerdings längst einer Originalfahne gewichen. Das alte Stück war verschlissen. Hartung bewahrt es aber auf.

In drei Wochen weht Schwarz-Rot-Gold

"Jetzt ist es kein Problem, an eine richtige Fahne zu gelangen. Ich bin im Internet fündig geworden", berichtet er. Etwa alle zwei Jahren muss eine neue Fahne her, weil Wind und Wetter dem Stoff zusetzen. Und "runter kommt sie eigentlich nur, wenn so richtig Sturm ist und wir befürchten, dass der sie zerfetzt", sagt Hans Hartung.

In knapp drei Wochen allerdings wird er die Fahne einholen. Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober nämlich soll Schwarz-Rot-Gold über seinem Grundstück flattern.