Seit Anfang September ist Matthias Jahn Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel. Der 51-Jährige hat sich seit Mai als Mitglied der Geschäftsführung in die Aufgabe eingearbeitet.

Stendal l Es war im Dezember 1974 in seiner Geburtsstadt Erfurt, als Matthias Jahn am Zeitungskiosk seine erste "Fliegerrevue" kaufte. "Dann war es um mich geschehen", sagt der 51-Jährige heute. Die Leidenschaft zum Fliegen war geweckt. Als dann auch noch die Gesellschaft für Sport und Technik, kurz GST, in seiner Schule für das Segelfliegen warb, war er sofort Feuer und Flamme. Seine Eltern waren das nicht. Doch weil er noch nicht alt genug war, hätten sie zustimmen müssen. Doch sie taten es nicht. Aufgeben, das gab es für Matthias Jahn aber nicht. "Ich bin weiter mit dem Fahrrad zum Flugplatz gefahren und habe meinen Kameraden beim Segelfliegen zugeschaut. Und ich habe die Theorie gelernt", erzählt der Thüringer. Parallel dazu habe er "weiter die Eltern weichgeklopft". Aber erst, als er sich für ein Motocross-Angebot der GST interessierte, gaben die Eltern nach: statt Motorrad dann doch lieber Segelflugzeug.

Im September 1978 absolvierte Matthias Jahn seinen ersten Segelschulflug - und eine Fliegerlaufbahn begann. "Wenn man einmal selbst geflogen ist, ist man ein bisschen abhängig davon", sagt er. Noch während seiner Abiturzeit wurde er gefragt, ob er nicht Militärpilot werden wolle. Klar, er wollte. Und er schaffte den einwöchigen flugmedizinischen Eignungstest in Königsbrück (Oberlausitz) - wie nur vier andere von insgesamt 120 Teilnehmern.

Mit dem Abitur in der Tasche begann er sein vierjähriges Offiziersstudium in Bautzen und Rothenburg (Oberlausitz), wurde Jagdflieger-Pilot in der Nationalen Volksarmee, war unter anderem mit seinem Geschwader in Marxwalde (heute Neuhardenberg) stationiert. "Den ganzen Tag rumfliegen und dafür bezahlt werden, ist doch das Schönste, was man sich vorstellen kann", sagt der 51-Jährige.

Ende 1990 quittierte er den Dienst und wechselte ins Zivilleben. Es folgten Anstellungen bei einem großen deutschen Discounter und später bei anderen Handelsunternehmen, die leitenden Positionen waren immer mit Pendeln zwischen Wohnort der Familie und Arbeitsort verbunden. Weil er das nicht mehr wollte, machte er sich 2005 in Erfurt als Immobilienmakler selbstständig.

"Die Augen offen gehalten, denn die Fliegerei war immer präsent"

"Insgeheim habe ich aber immer die Augen offen gehalten, denn die Fliegerei war immer präsent", erzählt Matthias Jahn. Denn, wie gesagt: "Wenn man einmal mit dem Virus infiziert ist, kommt man nicht mehr davon los." Als Pilot eines Jagdflugzeuges habe es ihn nie gereizt, sich beruflich zum Piloten für Verkehrsflugzeuge ausbilden zu lassen. Immer geflogen ist er aber in seiner Freizeit - seine neue Leidenschaft wurde der Motorkunstflug. Dabei, auf einem Flugplatz, hat er seine zweite Ehefrau kennengelernt. Denn sie ist nicht nur selbst Pilotin, sondern auch internationale Schiedsrichterin im Kunstflug.

Einer Flugsportdisziplin, in der Matthias Jahn national sehr erfolgreich war. Bei der Deutschen Meisterschaft im Jahr 2004 in Stendal stand er ganz oben auf dem Siegertreppchen. Auch 2008 war er in Stendal bei der Meisterschaft als Flieger dabei, 2013 dann als Schiedsrichter. Bei seinen Besuchen lernte er Sieghard Geyhler als Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel kennen. Und gerade vor dem Besuch 2013 hatte er gelesen, dass dessen Stelle ausgeschrieben war. Er sagte sich: Das wäre doch etwas für mich.

Er sprach mit seiner Frau, ob sie mitkommen würde in die Altmark. Sie sagte Ja, denn als Flugsportlerin kann sie die Begeisterung ihres Mannes für diese berufliche Herausforderung gut verstehen. Zwar wohnt die Betriebswirtin jetzt noch in Erfurt, doch ein Umzug in die Altmark ist geplant, wenn sie hier eine Arbeitsstelle gefunden hat.

"Es ist für die Flughafengesellschaft besser, auf dem Boden zu bleiben"

Matthias Jahn setzte sich gegen die Mitbewerber durch. Am 1. Mai trat er seinen Posten an, vier Monate begleitete er Geschäftsführer Sieghard Geyhler. Der verabschiedete sich Ende August in den Ruhestand (wir berichteten). Der Paralleleinsatz beider Geschäftsführer habe ihm sehr geholfen, schätzt der 51-Jährige ein. Die Zeit war gerade richtig, denn zwischen Ostern und Oktober ist Veranstaltungssaison auf dem Borsteler Flugplatz.

Bei der Arbeit möchte er da anknüpfen, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Den Flugverkehr hat er dabei ebenso im Auge wie Veranstaltungen auf dem Gelände, dessen Vermietung Geld einbringt. Auch wenn der Zuschussbedarf in den vergangenen Jahren gesunken ist, gibt es ihn noch. Dass die Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel einmal ohne Zuschuss auskommt, ist eines der Ziele des neuen Geschäftsführers. "Ich erwarte sehr viel von der A14", sagt Matthias Jahn mit Blick auf mögliche Gewerbeansiedlungen. Wie sein Vorgänger und die Gesellschaft möchte der 51-Jährige den Flugplatz mit Weitsicht voranbringen, aber keine Luftschlösser bauen - um dann nicht wie einige andere Investruinen stehen zu haben. "Es ist für die Flughafengesellschaft besser, auf dem Boden zu bleiben", ist seine Devise. Obwohl, schränkt er scherzend ein, für Piloten sei das "auf dem Boden bleiben" gar nicht so einfach.