Seit dem 25. August hat Malerin Christin Lutze ihr Atelier im Haus der Stendaler Kaschade-Stiftung. Dort bringt sie Motive aus der Altmark mit Pinsel und Farbe zu Papier.

Stendal l Einige ihrer Bilder liegen bereits zum Trocknen auf einem Tisch in Christin Lutzes Atelier. In überwiegend warmen Farben sind darauf Stendaler Straßenszenen dargestellt. Wieviele Bilder die Berlinerin bis zum Ende ihres Künstlerstipendiums malen wird, weiß sie noch nicht. "Fünf bis zehn wären Spitze", sagt sie. In Stendal habe sie hervorragende Arbeitsbedingungen und idyllische Motive. "Hier bin ich etwas geruhsamer unterwegs", sagt die Malerin. Erst am Wochenende habe sie eine Radtour durch die Altmark unternommen.

Menschen sucht man auf Christin Lutzes Bildern vergeblich. "Ich zeichne aber die Spuren von Menschen, beispielsweise abgestellte Fahrräder", erklärt sie. Hauptthemen ihrer Bilder sind Perspektive, Licht und Architektur.

Jury entschied sich einstimmig für Lutze

Bisher war Christin Lutze erst einmal in Stendal, nämlich als die Malerin zu einem Vorstellungsgespräch für das Künstlerstipendium der Kaschade-Stiftung in die Hansestadt geladen wurde. "Die vierköpfige Jury hatte sich aus 76 Bewerbern eindeutig für Frau Lutze entschieden", erinnert sich Jurymitglied Hans-Jürgen Kaschade. Christin Lutze ist mittlerweile die zweite Künstlerstipendiatin in Stendal. "Die Farbgebung ihrer Arbeitsproben hat uns einfach überzeugt", sagt Kaschade.

Insgesamt fünf Wochen kann Christin Lutze im Haus der Kaschade-Stiftung in der Stendaler Weberstraße wohnen und arbeiten. Insgesamt 1000 Euro wirft das Stipendium für die Malerin ab. Zusätzlich erhält sie 500 Euro für Papier, Farben und andere Utensilien. "Die Mittel werden von privaten Förderern bereitgestellt", sagt Kaschade. Die Finanzierung sei für die kommenden drei Stipendien gesichert.

Oberbürgermeister ist Schirmherr des Projekts

Am vergangenen Dienstag begrüßte Stendals Oberbürgermeister die Stipendiatin im Rathaus. Schmotz ist seit zwei Jahren, also seit Beginn des Projektes, Schirmherr des Kaschade-Stipendiums. "Das ist eine schöne Gelegenheit, künstlerisch auf unsere Stadt aufmerksam zu machen", sagt Stendals Stadtoberhaupt. Dass begabte Künstler in Stendal für einen kurzen Zeitraum wirken und leben können, propagiert die Künstlergruppe Altmark im Internet und in Fachzeitschriften. "Uns erreichen Bewerbungen aus aller Welt", sagt Künstlergruppen- und Jurymitglied Waltraud Meyer.

Die Auswahlkriterien variieren laut Hans-Jürgen Kaschade von Jahr zu Jahr. Laienkünstler hätten keine Chance auf ein Stipendium. Laienkünstlerin ist Christin Lutze in keiner Weise. An der Universität der Künste in Berlin hat die Malerin sechs Jahre Bildende Künste studiert. Zahlreiche Auslandsaufenthalte und Stipendien hat sie in ihrem Leben schon mitgenommen. "Es waren auch bloße Anwesenheitsstipendien darunter", einnert sich die Berlinerin. In Stendal dagegen kümmere man sich um sie. Die Leute seien sehr freundlich, oft freundlicher als in Berlin.

Wenn die 38-Jährige gerade nicht in Stendal malt, betreibt sie in Berlin-Pankow ein kleines Atelier und jobbt nebenbei, wenn die Auftragslage bescheiden ist. Die Ruhe der Altmark sagt Christin Lutze zu. "Bestimmt komme ich mal wieder nach Stendal."