Das Lebenshilfe-Küchenteam in Tangerhütte hat sich der Zertifizierung durch "My Kessel" unterzogen, um die Leistung der behinderten Mitarbeiter auch nach außen zeigen zu können. Keinen Michelinstern, aber zwei sehr gute Kesselpunkte verlieh Prüfer Rolf Maninger vor Ort.

Tangerhütte l Zwölf Wochen lang begleitete Küchenmanager Rolf Maninger aus Nürnberg die Tangerhütter Versorgerküche der Lebenshilfe. Von dort aus werden täglich 900 Essen nicht nur innerhalb der Werkstätten, sondern auch an Kitas, Schulen und Senioren der Region ausgegeben. Dass sich das, was die behinderten Mitarbeiter um Küchenchef Andreas Engel da täglich leisten, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ sehen lassen kann, machte er bei der Auswertung klar.

Einen super Eindruck von Ausstattung, Technik und Sauberkeit habe er in Tangerhütte bekommen. Mit einem dreiviertel Punkt ist das Lebenshilfe-Küchenteam am dritten Kessel für das Zertifikat vorbeigeschrammt. Doch auch zwei Kessel (Voraussetzung sind 15 bis 16 Bewertungspunkte) bedeuten "sehr gut". Die maximale Kesselzahl von fünf ("perfekt") haben bisher nur sehr wenige Einrichtungen erreicht, so Maninger.

Das System ist anders als der Michelin-Stern nicht auf die exquisite, einzigartige Küche ausgelegt, sondern auf "Gemeinwohl-Küchen" wie sie in sozialen Einrichtungen wie der Lebenshilfe zu finden sind. Hier geht es zumeist darum, die Essensportionen zu einem vertretbaren Preis anzubieten. Aber auch Optimierungsvorschläge gab es von Maninger, darunter die Gestaltung der Speisepläne. Einiges, so auch die einheitliche Bekleidung, wurde bereits umgesetzt. "Das Engagement ist bei Ihnen sehr groß. Die Küchenstandars sind zu 100 Prozent in Ordnung und das wichtigste Potenzial sind die Mitarbeiter", sagte der Fachmann aus Nürnberg vor Ort.

Bewertet wurde im Rahmen von Befragungen und Besuchen die Qualität, die Mitarbeiter, das Marketing und die Wirtschaftlichkeit. Vor allem mit dem hohen Obst- und Gemüseanteil war Maninger sehr zufrieden.

"Für jede Art von Küche gibt es Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für gesunde Ernährung", sagt Maninger, der selbst lange Jahre Vertreter der Nationalmannschaft junger Köche war und die Meisternadel seines Handwerks trägt. Im kommenden Jahr will er noch einmal nach Tangerhütte kommen, "dann ist der dritte Kessel dran", sagt Maninger.

Glückwünsche zum Zertifikat gab es nicht nur von Geschäftsführerin Heidemarie Behrends und dem Vorstand des Lebenshilfe-Vereins. Gerhard Borstell, Ortsbürgermeister und Vorstandsvertreter, sagte: "Die Zufriedenheit mit unserem Essen ist gestiegen, wir sind auf einem guten Weg!"