Stendal l Norbert Kempe, Vertriebsleiter im Stendaler Alstom-Werk, steckte voller Vorfreude. "Unsere Lok ist gut platziert, da muss jeder vorbei, allerdings kommt man ohnehin an der Innovation nicht vorbei", sagte er mit Blick auf das noch verhüllte Fahrzeug auf dem Außengelände des Berliner Messegeländes. Der Grund für Kempes Euphorie heißt H3. Diese Neuentwicklung aus dem Stendaler Alstom-Werk wurde von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dem Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube, dem Vorstand Technik Alstom Deutschland, Martin Lange, und seinem französischen Pendant Henri Poupart Lafarge enthüllt.

Strenge Abgasnormenwerden erfüllt

Mehrere Eigenschaften machen diese Lok einmalig. So verbraucht sie nur die Hälfte des Kraftstoffes üblicher Rangierlokomotiven, der Schadstoffausstoß liegt sogar bei nur 30 Prozent. "Geringe Emissionen werden heute immer wichtiger", weiß Kempe. Weiterhin wird die Lärmemission wesentlich reduziert. Die 350-Kilowatt-Dieselgeneratoren erfüllen bereits eine strenge Abgasnorm und sind für zukünftige Abgasnormen vorbereitet. Je nach Einsatzfall arbeitet die Hybridlok zwischen 50 und 75 Prozent im Batteriebetrieb. Damit ist emissionsfreier Schienenverkehr zum Beispiel in Innenstädten möglich.

Die Lok verfügt über drei Achsen, wird auch als selbst-lenkende Lok beschrieben. Zwischen erster und dritter Achse ist ein langer Abstand, was für die nötige Fahrruhe sorgt, um die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern erreichen zu können. In Kurven wird die erste Achse zwangseingedreht, die dritte geht mit, während sich die Mittelachse quer verschiebt. "Das sorgt für einen engeren Radius und weniger Verschleiß an Schienen und Fahrwerk", erklärte Kempe.

Die ersten drei Exemplare der Lok werden im VW-Werk in Wolfsburg unterwegs sein. Ab 2015 soll die H3 in Franken an den DB-Regio-Standorten Würzburg und Nürnberg acht Jahre lang auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden. Insgesamt werden fünf Lokomotiven dieser Bauart dort zum Einsatz kommen.

Entwicklung Ergebnis einerInnovationsplattform

"Mit dem Einsatz dieser neuen Generation von Hybridlokomotiven machen wir einen großen Schritt in Richtung Serienreife für diese umweltfreundliche Antriebstechnologie", erklärte Heike Hanagarth, Vorstand Technik und Umwelt der Deutschen Bahn in einer Pressemitteilung.

Und mit Niedersachsen und Bayern sind die Grenzen der H3 noch nicht erreicht. "Wir bemühen uns auch um Kunden aus dem Ausland, deswegen ist die Messe für uns auch so wichtig", betonte Kempe. "Uns", das betrifft auch die 220 Mitarbeiter des Stendaler Werkes, deren Arbeitsplätze durch Aufträge sicherer werden. "Wir denken auch über zusätzliche Kräfte nach", verriet der Vertriebsleiter. Das Projekt "H3-Hybrid" ist eine Initiative der Innovationsplattform Eco Rail Innovation (ERI). Derzeit gehören der Plattform 19 Unternehmen an. Ziel des Projektes ist es, die technische und wirtschaftliche Serienreife einer Hybrid-Rangierlokomotive im täglichen Einsatz nachzuweisen. Getestet werden sollen unter anderem die Betriebstauglichkeit der Hybridtechnologie sowie die Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs, der Schadstoffemissionen und des Instandhaltungsaufwands.

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