Stendal l Stolz saß er am Kopf der Tafel, die knallrote Bahnmütze mit der Aufschrift "Service" hatte er zur Feier des Tages aufgesetzt. Gestern feierte Walter Ermler seinen 104. Geburtstag im Jenny-Marx-Heim. Zu Gast an der reichlich gedeckten Kaffeetafel waren auch Landrat Carsten Wulfänger und Stendals stellvertretender Oberbürgermeister Axel Kleefeldt (beide CDU). Wulfänger brachte eine Urkunde des Landkreises, des Ministerpräsidenten und einen Strauß Blumen mit. "Ich hätte ihnen eine Pulle Schnaps geschenkt, aber das ist verboten", sagte er schmunzelnd.

Ob es Ermlers Freundin Elfriede Herzmoneit - "Das Wort Freundin kommt von den Schwestern", ist dem Geburtstagskind der Begriff etwas unangenehm - war, die den Schnaps zum Tabu erklärte, sagte Wulfänger nicht. Einen Schluck Sekt gab es für den 104-Jährigen zum Anstoßen aber schon. Und die Vorfreude darauf, Herzmoneit im kommenden Monat in ihrem Hamburger Zuhause besuchen zu können. Die Reise hat ihm das Heim zum Geburtstag geschenkt. In die Freie und Hansestadt geht es - wie könnte es bei einem ehemaligen Eisenbahner anders sein? - mit dem Zug.

Ermlers Wünsche waren gestern recht bescheiden. "Bekommen wir das hin, dass alle zusammen ,So ein Tag so wunderschön wie heute singen`", fragte er. Und bekam das Ständchen. Auf der Mundharmonika begleitet wurde der Gesang von Ermlers langjährigem Freund und ehemaligem Friseur Kurt Blitz. "Ich spiele ihm jedes Jahr auch sein Lieblingslied ,Lilli Marleen`", verriet der 85-Jährige.