Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, um sich für Risiken zu wappnen, die durch schwankende Rohstoffpreise entstehen? In ihrer Masterarbeit gibt Jeannette Schwarz Antworten. Nicht "nur" theoretisch, sondern in der Praxis überprüft und in der Stendaler Landbäckerei anwendbar.

Stendal l Montag, 29. September, 15.17 Uhr. Jeannette Schwarz hat alles gegeben, noch einmal Momente höchster Konzentration hinter sich gebracht und ihre Masterarbeit erfolgreich verteidigt. Die Krönung ihres Studiums, das sie 2008 an der Stendaler Fachhochschule begonnen hatte. Master of Arts für Risiko- management ist sie nun, für das Management unternehmerischer Risiken, um genau zu sein.

Andreas Bosse gratuliert als einer der ersten. Die Freude ist echt, denn der Geschäftsführer der Stendaler Landbäckerei war neben dem Prorektor der Stendaler Hochschule, Prof. Dr. Wolfgang Patzig, einer der beiden Betreuer dieser Masterarbeit. Sein Unternehmen war das Praxisfeld, das Jeannette Schwarz mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit beackerte und in dem nun die Früchte dieser Art der Zusammenarbeit zwischen der Stendaler Hochschule und dem heimischen Mittelstand geerntet werden sollen. Die Anbindung der Stendaler Fachhochschule an die Praxis ist eines der Markenzeichen dieser Hochschuleinrichtung.

Planungssicherheit beim Einkauf von Rohstoffen

In diesem, am Montag zum (vorläufigen) Abschluss gebrachten, "Projekt" geht es "um eine gewisse Planungssicherheit, was den Einkauf von Rohstoffen angeht", bringt Jeannette Schwarz das Ziel ihrer Masterarbeit auf den Punkt. Sie hat es erreicht es, mit Bravour, wie Anderas Bosse gern bestätigt.

Wie gewinnt man diese Sicherheit? Die Rohstoffpreise seien einer der Punkte, die von der Bäckerei am wenigsten zu kalkulieren sind, erklärt Landbäcker Bosse. Sie unterliegen teils enormen Schwankungen.

Beispiel Weizen. Der Weizenmarkt ist ein globaler, auf den die verschiedensten Faktoren wirken. Wird eine gute Ernte prognostiziert, könnte die Bäckerei auf moderate Preise spekulieren und entsprechend kalkulieren. Kommt dann Unvorhersehbares dazwischen, eine Dürre in einem Weizenanbaugebiet zum Beispiel, explodiert der Preis. Auch, sich am Vorjahrespreis des Rohstoffs, in diesem Fall des Weizens zu orientieren, könnte fatal daneben gehen. Fakt ist: Der Bäcker, in diesem Fall die Stendaler Landbäckerei, muss diese Kosten, abfangen. Wie?

Über den Brotpreis geht das nicht. Der ist stabil, soll und muss es auch bleiben. Nach dem Tankstellenmodell munter an der Preisschraube zu drehen, mal hoch, dann wieder runter, ist im Bäckerhandwerk unmöglich. Wer beim Bäcker sein Brot kauft, verlässt sich darauf, dass es morgen, im nächsten Monat oder in einem halben Jahr, nicht mehr kostet als gestern. Und diese Garantie will Andreas Bosse seinen Kunden auch in Zukunft geben.

Bleibt ihm nur, mit möglichst sicheren Rohstoffpreisen zu kalkulieren. Die Quadratur des Kreises? Nein, es gibt solche Möglichkeiten, und Jeannette Schwarz hat die in ihrer Masterarbeit nicht nur analysiert, sondern daraus auch Empfehlungen für die Stendaler Landbäckerei erarbeitet. Es handelt sich um sogenannte Derivate, Produkte verschiedener Anbieter auf dem Finanzmarkt. Mit Hilfe solcher Derivate kann die Landbäckerei zum Beispiel einen Weizenpreis vereinbaren, zu dem sie heute und auch in einem halben Jahr noch ihren Weizen einkaufen kann. Das Risiko von Preisschwankungen wird mit diesem Derivat aufgefangen.

Bosse kann sich wieder auf sein Handwerk konzentrieren

Das ist es, was Jeannette Schwarz meint, wenn sie von "einer gewissen Planungssicherheit" für das Unternehmen spricht. Es ist Teil des "unternehmerisches Risikomanagements", das für Andreas Bosse einen hohen Stellenwert hat und für sein mittelständisches Unternhemen unverzichtbar ist.

Dank der Masterarbeit von Jeannette Schwarz kann sich der Chef der Stendaler Landbäckerei wieder mehr und ruhigen Gewissens auf das konzentrieren, was sein Handwerk ist: das Backen.

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