Mit Haushaltshilfe und Begleitdienst für ältere Menschen fing 2004 alles an - zehn Jahre später ist die Bürgerinitiative Stendal insbesondere mit der Tagesstätte für Demenzkranke sowie dem Generationscafé ein fester Teil der sozialen Struktur der Hansestadt Stendal.

Stendal l Ein Trüppchen von naiven Idealisten ist die Bürgerinitiative Stendal (BIS) gewiss nicht, sondern in ihr finden sich Menschen zusammen mit einem sozialen Verantwortungsgefühl und dem Anspruch, "Alternativen zu schaffen, wie Altersvorsorge und ein lebenswertes Leben abseits bekannter Modelle gelingen können", sagte die BIS-Vorsitzende Marion Zosel-Mohr im Volksstimme-Gespräch.

2004 hatte die damals 48-Jährige den Verein Bürgerinitiative mit acht Mitstreitern ins Leben gerufen und setzte mit ihrer Vision an dem längst bekannten, aber immer gravierender werdenden Grundproblem ländlicher Regionen an: dem Wegzug junger Leute, der die Überalterung der bleibenden Bevölkerung und einen steigenden Hilfebedarf nach sich zieht. Zosel-Mohrs eigener Antrieb sei es gewesen, "etwas für die Gesellschaft und nachfolgende Generationen zu erreichen".

Und weil das Erreichte nicht wenig ist, wurde am Mittwoch der zehnte BIS-Geburtstag mit zahlreichen Mitstreitern, Wegbegleitern und Unterstützern im Theater der Altmark gefeiert. Eine kurzweilige und dennoch gehaltvolle und bewegende Festrede hielt Franz Müntefering. Er sei der Einladung nach Stendal unumwunden gefolgt, weil er seinen "Respekt zum Ausdruck bringen möchte für das, was Sie für Ihre Stadt tun", sagte er. Die Bürgerinitiative Stendal sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich "Menschen für Menschen engagieren".

Müntefering betonte, dass Solidarität und eine soziale Gesellschaft nicht ohne organisierte Strukturen und vor allem finanzielle Sicherung funktionierten. "Ehrenamt ist das eine, aber der Staat ist da nicht außen vor."

Wenngleich Oberbürgermeister Klaus Schmotz in seinem Grußwort anerkennend bemerkte: "Alle Achtung, Sie haben es geschafft!", sind die zehn Jahre für Marion Zosel-Mohr und ihre Mitstreiter kein Grund, sich auf Erreichtem auszuruhen. "Im Gegenteil: Das inspiriert uns zu immer mehr." Und an Ambition mangelt es nicht: "Wir müssen und wollen weiter daran arbeiten, Akzeptanz und mehr Offenheit zu schaffen, auch bei den Angehörigen Demenzkranker selbst." Denn Scham und Berührungsängste oder auch die Angst, geringgeschätzt zu werden, wenn man Angehörige in eine Betreuung gibt, seien nach wie vor sehr präsent.

   

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