Ende September verabschiedeten die beiden altmärkischen Kreistage eine Resolution, die das Land dazu auffordert, sich für den Erhalt insbesondere der Verbindung zwischen Salzwedel und Stendal einzusetzen. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.

Stendal/Salzwedel l In den kommenden Tagen wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landtagspräsident Detlef Gürth (beide CDU) eine Resolution der beiden altmärkischen Kreistage übergeben. Aus Stendal und Salzwedel werden die Landespolitiker dazu aufgefordert, sich für den Erhalt der Bahnstrecken, vor allem für die Verbindung zwischen Salzwedel und Stendal einzusetzen. Salzwedels Landrat Michael Ziche und sein Stendaler Amtskollege Carsten Wulfänger (beide CDU) unterstützen in einem Anschreiben das Anliegen der Kreispolitiker.

Die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) hatte angekündigt, die Strecke abzubestellen. Auch wenn es noch keine Reaktion auf die Resolution geben konnte, so laufen doch die Bemühungen, das Aus für die altmärkische Regionalbahn zu verhindern.

Kritik an der Nahverkehrsgesellschaft

"Allein durch die Haushaltsdiskussionen sind die Bahnstrecken Thema im Landtag", sagte Hardy Peter Güssau (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landesentwicklung und Verkehr, im Gespräch mit der Volksstimme. Die Nasa begründet ihre angekündigten Abbestellungen, die auch die Linie Stendal-Tangermünde betreffen könnte, mit einem Defizit von 31 Millionen Euro. Diese Summe fehlt im Landeshaushalt für den Öffentlichen Personennahverkehr. 21 Millionen sollen durch die Abbestellungen und Ausdünnungen hereingeholt werden.

Durch Rücklagen und geringere Ausgaben ist die Lage im kommenden Jahr etwas entspannter. "Wenn die Strecken Merseburg-Schafstädt, Lutterstadt Wittenberg-Bad Schmiedeberg und Klostermansfeld-Wippra stillgelegt werden, könnte das dafür sorgen, dass 2016 nur noch etwa 15 Millionen fehlen", rechnete Güssau vor. Die Verhandlungen würden zeigen, ob diese Summe noch durch den Landtag bereitgestellt werden kann, weitere Abbestellungen somit überflüssig würden.

Die findet Ralf Bergmann (SPD), der ebenfalls Mitglied des Verkehrsausschusses ist, "völlig bescheuert". Die Nasa solle die Strecken bedienen und nicht abbestellen. Es sei wohl auch erforderlich, dass das Unternehmen stärker durch das Parlament kontrolliert werde. Auch Bergmann setzt auf die Haushaltsberatungen, hält aber auch ein Umdenken bei der Nahverkehrsgesellschaft für notwendig.

"Die machen ganz tolle Kampagnen und Aktionen, aber sie sollen sich lieber um die Strecken kümmern", fordert er. Es scheint der Betreibergesellschaft wichtiger zu sein, moderne Züge zu haben statt viele Verbindungen zu bedienen. In anderen Bundesländern sei das anders.

Fahrgastzahlen sollen nicht allein entscheiden

"In Rheinland-Pfalz ist noch der Schienenbus, der bei uns Ferkeltaxe genannt wird, unterwegs", nennt er ein Beispiel. Das sei doch für die ländliche Infrastruktur ausreichend. Wofür er ebenso wie Güssau und das dritte altmärkische Ausschussmitglied, Dorothea Frederking (Bündnis 90/Die Grünen), kein Verständnis hat, ist, wenn nur die Ein- und Ausstiege gezählt werden, um zu entscheiden, ob eine Verbindung erhaltenswert ist oder nicht.

"Der Nahverkehr auf der Schiene muss angebots- und nicht nachfrageorientiert sein", formuliert es Frederking. Die Bündnisgrüne würde am liebsten alle Stecken erhalten sehen. So appelliert sie auch an die Altmärker, "wenn schon nicht immer so doch immer öfter das Premium-Verkehrsmittel Bahn zu nutzen, um es langfristig zu erhalten".