Grüße aus allen Teilen der Welt hat Rosemarie Grunow für die nächsten vier Wochen in die Galerie der Tangermünder Sparkasse getragen. Am Dienstagabend eröffnete sie damit in der Kaiserstadt ihre zweite große Ausstellung.

Tangermünde l "Das ist wunderschön geworden." Mit diesen Worten begrüßt Rosemarie Grunow aus Dahrenstedt am Dienstagabend selbst ihre Ausstellung. Dann trägt sie zusammen mit ihrem Mann Ulrich die letzten Elemente für die Ausstellung in den Raum. "Ist der nicht gigantisch?", fragt er und präsentiert einen gewaltigen Hühnergott, gefunden an der dänischen Nordseeküste. "Das ist für die Hände der Zuschauer", erklärt sie und stellt einen kleinen Korb mit hölzernen Fundstücken ab. Ihr nächstes Anliegen: "Ich muss erst einmal den Raum füllen", sagt sie und entlockt ihrem metallenen Didgeridoo einige Töne. Ihre Einschätzung: "Das klingt wunderbar."

Geschichten zu jedem Holz

Mit einer kleinen Kamera in der Hand schreitet sie ihre zur Schau gestellten Naturkunstwerke noch einmal ab. "Dazu hatte ich noch gar keine Zeit", erklärt sie und nimmt sich nun ein wenig davon, um Geschichten zu erzählen. Jedes dieser hölzerner Fundstücke, so scheint es, ist Rosemarie Grunow ans Herz gewachsen. Zu jedem weiß sie eine Geschichte zu erzählen, weiß, wo und wie sie es gefunden hat, in welchem Zustand es war, wie es letztendlich bei ihr zum Kunstobjekt wurde.

"Das hier, das ist mein Lieblingsstück", sagt sie und bleibt vor in sich verschlungenen Ästen stehen, die sie für die Ausstellung vor einem Spiegel aufgereiht hat. "Sie sind von zwei verschiedenen Orten - aus Italien und Dänemark - und doch sehen sie so aus, als gehörten sie zusammen", ist sie selbst beeindruckt.

Auch wenn die vielen Holzobjekte keine Namen tragen, so ist doch mit ein wenig Fantasie erkennbar, was auch Rosemarie Grunow in all ihnen sieht. "Das hier kommt aus Namibia, das ist der Rheinfisch, das der Thunfisch und dieses der Elbfisch", poltert es aus ihr beim Rundgang heraus. Der Elbfisch sei nach der Wende das erste Holz gewesen, was sie angezogen habe. "In Absatzschuhen bin ich bei Räbel in eine Buhne gestiegen und da lag er genau so, wie er hier jetzt zu sehen ist", weiß sie noch heute.

Zu ihrem Wrackschiff aus Dänemark, für das sie selbst einen farbigen Hintergrund auf Leinen gebracht hat, gibt es ebenfalls eine Geschichte. Das große schwere Stück Holz habe sie allein am Strand wandernd lange getragen, dann eingebuddelt, "damit es niemand mitnimmt", ihren Mann mit dem Auto kommen lassen und dann wieder ausgegraben. Es gibt keinen Urlaub, aus dem die Grunows ohne Holz zurückkommen. Selbst eine Wurzel bekommt bei Rosemarie Grunow noch einmal eine Aufgabe. Auf gelbem Untergrund angebracht, wirkt sie wie ein Baum.

Bis Ende November ist die Kunst in der Galerie der Sparkasse zu sehen.