Würde es heute Nacht anfangen zu schneien, stünde drei Stunden später die Winterdienstflotte des Landkreises Stendal voll ausgerüstet und mit Streusalz beladen für ihren ersten Einsatz bereit. Die Vorbereitungen auf den Winter 2014/2015 in den Straßenmeistereien Tangermünde und Osterburg sind abgeschlossen.

Stendal l Rein theoretisch wäre die Winterdienstmannschaft des Landkreises Stendal in der Lage, die Strecke von Stendal bis Köln an jedem Tag des kommenden Winters befahrbar zu halten. Knapp 490 Straßenkilometer sind es vom dem Stendaler bis zum Kölner Dom. Das entspricht kilometergenau der Herausforderung, der sich die Winterdienstler alljährlich auf den Straßen in der Ostaltmark stellen.

Rein theoretisch könnten sie noch heute damit beginnen. "Innerhalb von drei Stunden sind die Fahrzeuge aufgerüstet", versichert Kreisstraßenmeister Carsten Köppe. Mehr noch: Nicht nur die Technik - elf Fahrzeuge und für jedes der passende Schneepflug sowie Streusalzbehälter - stehen für ihren ersten Winterdiensteinsatz parat. Auch etwa 1000 Tonnen Streusalz sind eingelagert.

Für einen "normalen" Winter ist der Landkreis damit gut gerüstet, versichert Thomas Müller, in der Kreisverwaltung für den Bereich Straßenbau zuständig. Im Durchschnitt werden bis 900 Tonnen Salz pro Winter benötigt, von denen zehn Gramm auf den Quadratmeter Straße gestreut werden, angefeuchtet mit 20-prozentiger Magnesiumchlorid-Lauge. Sollte der Winter härter werden, länger dauern, hätte der Landkreis die Option, bis zu 1000 Tonnen Salz nachzuordern

Die beiden Winterdienst-Fahrerteams, je elf Männer, die sich im 14-Tage-Rhythmus abwechseln werden, sind benannt und darauf eingestellt, am 15. November in den Winterdienst einzusteigen. Es sei denn, die Nachttemperaturen sinken bereits früher unter 2 Grad Celsius. "In den vergangenen Jahren haben wir zwischen dem 19. und 21. November den ersten Winterdiensteinsatz gefahren", weiß Kreisstraßenmeister Carsten Köppe aus seinen Aufzeichnungen. Der Grund: überfrierende Nässe.

Gefahren werden die Einsätze übrigens von den Straßemeistereien Tangermünde (sechs Touren) und Osterburg (fünf Touren) aus. Im Durchschnitt ist jede dieser Touren 50 Kilometer lang. Nur so kann Carsten Köppe den Anspruch formulieren, dass die Straßen innerhalb von drei Stunden nach Einsatzbeginn befahrbar, das heißt gestreut und / oder geschoben, sind. Allerdings sagt er auch: "Wir können nicht an jeder Stelle gleichzeitig sein." Vorrang bei der Beräumung haben die wichtigsten Verkehrsadern. Dazu gehört zum Beispiel die Zufahrt zum Industrie- und Gewerbepark Altmark bei Arneburg. Die beiden Kreisstraßen dorthin sind die am stärksten befahrenen im Landkreis. Zweiter Schwerpunkt sind die ICE-Brücken.

Dass der Einsatz des Winterdienstes von der aktuellen Lage abhängig ist - eine Binsenweisheit. Weniger bekannt ist jedoch, dass an jedem Einsatztag ab 2 Uhr entschieden wird, wann die Streufahrzeuge vom Hof rollen. Zwei sogenante Erkunder - einer von Osterburg und der andere von Tangermünde aus - "erkunden" zwei Stunden nach Mitternacht die Lage vor Ort und entscheiden, ob und auf welchen Strecken eine beziehungsweise zwei Stunden später der Winterdiensteinsatz beginnt.

Unabhängig davon sollte sich schon jetzt jeder, der im Winter 2014/2015 unterwegs sein wird, ins Bewusstsein rufen: Die Streu- und Räum- einsätze der Kollegen von Carsten Köppe werden kein Freibrief für die eigene Sorg- losigkeit sein. Die begegnet den Winterdienstlern immer mal wieder. Sei es in allzu sportlichen Überholmanövern oder auch in Autos, die bei Schnee und Eis mit Sommerreifen unterwegs sind. "Das ist kreuzgefährlich. Im Winter sollte jeder Kraftfahrer mit Winterreifen, zumindest mit Ganzjahresreifen unterwegs sein", appelliert Carsten Köppe an die Vernunft der in vergangenen Wintern Unvernünftigen.