Am 1. Januar tritt eine neue Taxi-Tarif-Ordnung für den Landkreis Stendal in Kraft. Der Kilometerpreis steigt dadurch von 1,40 auf 1,80 Euro.

Stendal l Montagvormittag, kurz nach halb zwölf. Der Intercity aus Berlin ist gerade am Stendaler Hauptbahnhof eingefahren. Auf dem Bahnhofsvorplatz reihen sich fast zehn Taxis ums Rondell. Von den Fahrgästen aus der Bahn steuert kaum jemand auf einen der elfenbeinfarbenen Wagen zu. Das Warten hat noch kein Ende.

Höhere Betriebskosten und Mindestlohn

Am 1. Januar tritt eine neue Taxi-Tarif-Ordnung im Landkreis Stendal in Kraft. Dadurch steigt beispielsweise der Kilometerpreis von 1,40 auf 1,80 Euro. Die meisten Taxifahrer möchten sich nicht dazu äußern, schauen in ihre Zeitung oder blicken in die Ferne und hoffen auf Kundschaft. "Der Schuss geht doch ohnehin nach hinten los", meint einer von ihnen. Durch die höheren Gebühren könne die geringere Zahl an Fahrgästen nicht ausgeglichen werden. Es werden wahrscheinlich weniger Taxis.

"Die Leidtragenden sind doch die Rentner und die Hartz-IV-Empfänger, da ist eben kein Geld für ein Taxi da", sagt er. Schlechtes Wetter oder Besucher von auswärts seien auch keine Kundengarantie. Und er kommt nochmal auf die Rentner zurück: "Wenn die Oma 100Euro beim Friseur bezahlt, hat sie kein Geld mehr für ein Taxi und fragt ihren Enkel."

Nach sechs Jahren gibt es nun eine neue Tarif-Verordnung, die heute erstmals im Kreis-Bau- und Verkehrsausschuss vorgestellt wird. Wegen der gestiegenen Betriebskosten und des ab 1. Januar geltenden Mindestlohns von 8,50 Euro sei sie notwendig geworden, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Der Grundbetrag soll von 3,50 auf fünf Euro erhöht werden, weil die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten (Versicherung und Steuern) der Fahrzeuge, die Pflichtbeiträge zur Berufsgenossenschaft und die Sozialversicherungsabgaben jährlich gestiegen sind. Hauptgrund für die Erhöhung ist der künftige Stundenlohn für den wartenden Kraftfahrer bis er den nächsten Fahrauftrag erhält.

Das Beförderungsentgelt soll von 1,40 auf zwei Euro für die ersten beiden, auf 1,80 Euro für jeden weiteren Kilometer erhöht werden, weil die Kraftstoffpreise und die Instandhaltungskosten der Taxen in den vergangenen sechs Jahren gestiegen sind. Weil die Einnahmen für den Einsatz bei kurzen Fahrstrecken zu gering sind, kosten die ersten beiden Kilometer mehr.

Der Zuschlag für die Beförderung von mehr als vier Fahrgästen in Höhe von drei Euro mit Einsatz eines Großraumtaxis ist nach Ansicht des Landkreises hingegen nicht mehr gerechtfertigt. Der Kraftstoffverbrauch und die Anschaffungskosten seien gegenüber anderen Taxen nicht höher. Der Tarif werde so vereinfacht, größere Anreize für Gruppenfahrten geschaffen.

Wartezeit an Ampeln kostet extra

Die Wartezeit (Taxi belegt) soll von 20 auf 25 Euro pro Stunde (10 Cent pro 14,4 Sekunden) erhöht werden, um der Erhöhung des Stundenlohns im Taxiverkehr Rechnung zu tragen. Wartezeit entsteht beispielsweise an roten Ampeln oder wenn sich der Fahrgast zu einem Geschäft chauffieren lässt. Nichts zahlen muss der Fahrgast hingegen, wenn es zu einer Wartezeit wegen eines technischen Defekts am Taxi, eines Unfalls oder durch eine Polizeikontrolle kommt.