Für die Sulajmovs ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Die sechsköpfige Familie erhielt am Montag die deutsche Staatsbürgerschaft im Stendaler Landratsamt. Dafür mussten Ibragim Sulajmov und seine Frau einen Einbürgerungstest bestehen.

Stendal l Er war gut besucht, der Konferenzraum im Stendaler Landratsamt, als dort am Montag 24 Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Landkreis ihre deutsche Staatsbürgerschaft erhielten. Die Erwachsenen unter ihnen hatten zuvor erfolgreich ihren Einbürgerungstest bestanden.

Stendals Landrat Carsten Wulfänger (CDU) überreichte den Anwesenden feierlich ihre Einbürgerungsurkunden. "Wir brauchen Sie hier, Sie haben sicher gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagte Wulfänger und verwies damit auf den durch Wegzug entstandenen Fachkräftemangel. So viele Einbürgerungen hätte es im Kreis schon lange nicht mehr gegeben. Im Schnitt liegt die Zahl jährlich bei gut 20 Personen, in diesem Jahr seien es bereits 30. "Wir rechnen mit über 500 Flüchtlingen aus 24 Nationen, die im kommenden Jahr im Kreis Stendal Asyl suchen werden", so der Landrat. Das sei eine neue Dimension.

Aus Tschetschenen werden Deutsche

Einer der neuen deutschen Staatsbürger ist Ibragim Sulajmanov. Er flüchtete vor zehn Jahren mit seiner Familie aus der kriegsgeplagten russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien nach Deutschland. "Wir kamen dann nach Stendal, zwei Jahre später hatten wir eine Aufenthaltserlaubnis", erinnert sich der 41-Jährige. Dann habe er endlich arbeiten können. Zunächst war er im Gerüstbau, danach im Milchwerk tätig. Nach einem Schlaganfall wollte er weg von der körperlich schweren Arbeit und machte eine Weiterbildung zum Wachmann. "Ich war ursprünglich Zollinspektor, Sicherheitsaufgaben liegen mir", erklärt Sulajmanov. Jetzt arbeitet er bei einer Security-Firma.

Als Ibragim Sulajmanov nach Deutschland kam, wollte er schnellstmöglich die deutsche Sprache lernen. "Ich liebe Sprachen und habe vom ersten Tag an gelernt, viele deutsche Bücher gelesen", sagt er. An der Volkshochschule (VHS) belegte er einen Deutschkurs, dort fand auch sein Einbürgerungstest vor einigen Wochen statt. Für die Beantwortung von 33 Multiple-Choice-Fragen hatten Ibragim Sulajmanov und seine Frau Zarema eine Stunde Zeit. "Ich habe vielleicht drei Minuten dafür gebraucht, der Test war ein Kinderspiel", so der Familienvater, der auf Anhieb alles richtig hatte. Mindestens 17 Fragen müssen für die Einbürgerung korrekt beantwortet werden.

Allgemeinwissen ist beim Test gefragt

Bei der ersten Frage eines Mustereinbürgerungstests musste Landrat Wulfänger schmunzeln. "Was bedeutet die Abkürzung CDU in Deutschland?" - Eine leichte Frage für den CDU-Politiker. Und auch die Mehrheit der frisch Eingebürgerten wird diese Frage richtig beantwortet haben. "Bei dem Test fällt kaum jemand durch", sagt der Integrationsbeauftragte des Kreises, Björn Malycha. Das für den Test nötige Wissen werde Migranten in Integrationskursen gezielt vermittelt.

Zusammengestellt werden die Fragen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Aufsicht während des Tests führen Mitarbeiter der VHS. Die Fragen umfassen Themen aus Politik, Geschichte und Gesellschaft. Auch, für wieviele Jahre der Landtag Sachsen-Anhalts gewählt wird, ist eine Frage.

Ibragim Sulajmanovs ältester Sohn Samil musste den Test nicht machen. Auch er hat am Montag die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Der 18-Jährige ist praktisch in Stendal aufgewachsen, hat rasch durch Kontakte zu Freunden und in der Schule deutsch gelernt. Seit zwei Jahren macht er eine Ausbildung zum Tischler in Stendal. "Im Betrieb hat meine Staatsbürgerschaft nie eine Rolle gespielt, da geht es nach Leistung", sagt Samil. Trotzdem ist auch er froh, endlich auch auf dem Papier Deutscher zu sein.