Der Stadtteil Süd war Thema in der jüngsten Sitzung des Kreis-Sozialausschusses. Sozialamtsleiterin Christiane Rütten stellte dabei klar, dass weder Leistungsempfänger noch Asylbewerber eine Wohnung in Süd zugewiesen bekommen.

Stendal l Ein grauer Herbstvormittag, der Regen prasselt, es wird langsam kühl. Die Mieter in Süd haben seit Wochen kein warmes Wasser, seit Monaten keine Fernwärme in ihren Wohnungen. Mit dem endgültigen Abschied des Sommers wird das spürbar. 136 Menschen sind laut Stadtverwaltung noch in Süd gemeldet.

Im Stadtteil wohnen noch 13 Kinder

Einer von ihnen ist Wolfgang Leitzbach. Bei ihm in der Wohnung ist es warm. Allerdings sorgt dafür ein Radiator. "Das wird ganz schön teuer", weiß er. Doch frieren möchte er auch nicht. Aber wegziehen. Doch das geht offenbar nicht so einfach. "Meine Betreuerin hat gesagt, dass es für mich keine neue Wohnung gibt, angeblich habe ich Mietschulden bei der SWG", erklärt er.

Die Situation für Leitzbach scheint aussichtslos. Seine nächsten Verwandten wohnen in Halle-Neustadt. "Meine Schwester und mein Bruder, aber die können sich auch nicht um mich kümmern", sagt er traurig. Seine Verbindung zur Außenwelt ist ein Handy. "Ich bin froh, das bezahlt meine Tochter", sagt er mit leuchtenden Augen. Doch die werden wieder trüb, wenn er daran denkt, wie lange er sie nicht gesehen hat. "Die wohnt in Dortmund, zwei Jahre ist das schon her."

Der Stadtteil Süd war am Mittwochabend auch Thema im Kreis-Sozialausschuss. Sozialamtsleiterin Christiane Rütten erläuterte, dass der Landkreis niemanden zwingen könne, aus Süd wegzuziehen. Auch nicht die Menschen, die über den Kreis Sozialhilfe oder über das Jobcenter HartzIV beziehen. Allerdings hat deren Anteil in Süd im Laufe dieses Jahres rapide abgenommen. "Im Mai waren es noch 175 Hartz-IV- und zwölf Sozialhilfeempfänger", zählte sie auf. Mittlerweile seien es noch 75 Hartz-IV- und zwei Sozialhilfeempfänger. Insgesamt sind noch 136 Stendaler, davon 13 Kinder unter 14 Jahren, in Süd gemeldet. 20 Mietparteien haben ihren Umzug nach Informationen der Stadt bereits konkret geplant.

Dementiert wurde von Rütten das Gerücht, die steigende Zahl von Asylbewerbern solle kompensiert werden, indem ihnen Wohnungen in Süd zugewiesen würden. "Das ist völlig ausgeschlossen, auch Leistungsempfänger werden schon seit Jahren nicht mehr nach Süd vermittelt", beantwortete sie die Frage von Michael Kühn (FDP).

Aktiv wurde der Landkreis in Süd in Sachen Gesundheit. Amtsärztin Dr. Iris Schubert wies darauf hin, dass an den eingerichteten Wasserabnahmestellen einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung steht. Wichtig sei, für den Transport saubere Wassergefäße zu verwenden. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit, so die Amtsärztin weiter, sei jedoch nicht mehr gegeben, wenn das Wasser über einen Gartenschlauch in die Wohnung geleitet würde. Dann müsse das Wasser unbedingt abgekocht werden.

Wenn der Frost kommt, werden die Zapfstellen abgestellt, erklärte gestern die städtische Pressestelle auf Anfrage. Dann gebe es keine Möglichkeit der Notwasserversorgung mehr. Alle Mieter in Süd seien darüber informiert und aufgefordert worden, vor der Frostperiode aus Süd wegzuziehen.

Zahlungen des Eigentümers Raks AG an die Stadtwerke sind laut der Stadt weiterhin nicht erfolgt. Zu Prokurist Ramazan Yagan habe es in den vergangenen Wochen zweimal telefonischen Kontakt gegeben. Yagan habe jeweils angegeben, im Ausland zu sein, und wollte sich nach seiner Rückkehr melden. "Das", erklärt die Stadt, "ist bis heute nicht geschehen."