Seit 15 Jahren gibt es das Notfallseelsorge- und Kriseninterventionsteam des Kirchenkreises Stendal. Um die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen, suchen die Ehrenamtlichen immer Verstärkung im Team.

Stendal l Mit 14 Jahren Mitgliedschaft gehört Doris Finke zu den "alten Hasen" im Team. "Ich sehe die Arbeit als sehr sinnvoll an. Man kann Menschen beistehen, mit einem Handdruck, einer Umarmung, oder weil man einfach da ist", sagt die Stendalerin, die viele Jahre am Theater gearbeitet hat und jetzt im Ruhestand ist.

Arne Manecke aus Schinne gehört - schaut man auf die Mitgliedschaft - zu den "Neuen". "Es ist eine tolle Sache, für andere da zu sein in so schwieriger Zeit", sagt die Lehrerin. Das war für sie die Motivation, sich an den Leiter des Notfallseelsorge- und Kriseninterventionsteams, Michael Kleemann, wenden. Mittlerweile hat sie die Ausbildung absolviert und wartet auf ihren ersten Einsatz. Andere in der Gruppe, die sich am Donnerstagabend zur Beratung in der Superintendentur des Kirchenkreises Stendal trafen, können schon über viele solcher Einsätze berichten. Im Gründungsjahr waren es 38, im vergangenen Jahr 85. Im Durchschnitt werden die Männer und Frauen zu 40 bis 50 Einsätzen im Jahr gerufen.

Das geschieht ausschließlich über die Rettungsleitstelle. Einsatzleiter von Polizei oder Feuerwehr sowie Notärzte fordern die Ehrenamtlichen an, wenn Menschen begleitet werden sollen, die von einem plötzlichen Todesfall - meist nach Unfällen - betroffen sind. Die Seelsorger leisten immer nur die Erstbetreuung, begleiten zum Beispiel Polizisten zu den Angehörigen, wenn ihnen die Nachricht vom Tod eines Familienmitgliedes überbracht wird. Als "schlichte Formel" beschreibt es Kleemann so: "Wir bieten einen Notverband für die Seele an" und: "Wenn ein Mensch durch eine Katastrophe unter Wasser gerät, retten wir ihn vor dem Ertrinken." Die Seelsorger seien aber keine Therapeuten, stellt er klar.

"Wir sind nicht im Einsatz, wenn Menschen eine andere Form von Lebenskrise haben", erklärt Kleemann, der nach guten Erfahrungen in Schönebeck nach seinem Wechsel nach Stendal hier die Gruppe aufgebaut hat, die zu den ältesten in Sachsen-Anhalt gehört.

Mit 25 Männern und Frauen ging es los, heute hat das Team 22 feste Mitglieder. Weil drei bis fünf von ihnen wegen Elternzeit oder aus beruflichen Gründen immer mal nicht zur Verfügung stehen, sucht die Gruppe Verstärkung. Was muss man dafür mitbringen? "Wir suchen Menschen, die neugierig und mutig genug sind, sich einer solchen Aufgabe zu stellen, die sich seelisch und körperlich dafür in der Lage sehen", sagt Michael Kleemann. Interessenten sollten mindestens 25 Jahre alt sein, "denn unser Gegenüber erwartet so etwas wie Lebenserfahrung", erklärt er. Und Zeit muss der Ehrenamtliche mitbringen. Die sächlichen Ausgaben trägt der evangelische Kirchenkreis. Der Beruf spielt keine Rolle, auch nicht die Konfession. Im jetzigen Team arbeiten Christen und Nichtchristen zusammen, Pfarrer und Pädagogen, Mediziner und Ruheständler, Verwaltungsangestellte, Krankenschwestern, eine Verkäuferin und andere. Sie alle eint das Motiv: Die Freizeit oder den Ruhestand sinnvoll zu nutzen und für andere da zu sein. Die Ausbildung erfolgt innerhalb eines halben Jahres an drei Wochenenden.

Einmal im Monat, meist montags, treffen sich die Ehrenamtlichen, um über Einsätze zu sprechen, sich fortzubilden und den Dienstplan aufzustellen. Mindestens 24Stunden ist man im Dienst - also auf Abruf -, manche melden sich für komplette Wochenenden oder mehrere Tage. "Bisher war an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr immer einer im Dienst", sagt Michael Kleemann. "Bislang haben wir die, die uns gerufen haben, nicht enttäuscht."

Kontakt: Superintendentur Kirchenkreis Stendal, Telefon 03931/216364.