Stendal l "Die geh´n ab wie Schmitz Katze!" Günther Mittendorf ist begeisterter Fan des Sax´n Anhalt Orchesters, seit er die Band vor 15 Jahren das erste Mal in Magdeburg auf der Bundesgartenschau erlebte. "Da hat es mich durchfahren. Das ist Leben!"

Ja, sie sind quicklebendig, die Mitglieder dieses Orchesters. Am Sonnabend waren sie im Musikforum Katharinenkirche im Rahmen des 19. Altmärkischen Musikfestivals zu Gast. "Heute rocken wir die Katharinenkirche," versprachen sie zur Eröffnung des Konzerts. Und das taten sie dann auch.

Mit Titeln wie "Rock around the clock" von Bill Haley über Bill Withers "Ain´t no sunshine" oder "No woman, no cry" von Bob Marley. Natürlich fehlte auch Dave Brubecks berühmtes "Take Five" nicht.

Dem Publikum fiel es schwer, auf den Stühlen sitzen zu bleiben. Denn die zehn Frauen und Männer in ihrer schwarz-neongelben Kleidung versprühten eine ungeheure Spielfreude, die ansteckte. Ja, das funktioniert nur, wenn die Musiker selbst entsprechend Freude am Spiel haben. In Stendal waren sie mit fünf Frauen und fünf Männern zu Gast. Mit dabei auch eine ungewöhnliche Verstärkung.

Nanu, wer ist denn der kleine Junge da zwischen den anderen, fragte sich so mancher im Publikum. Der elfte Musiker im Bunde war an diesem späten Nachmittag Wyatt. Mit seinen gerade einmal sieben Jahren der weitaus Jüngste auf der Bühne. Konzentriert und auch schon recht lässig begleitete er auf der Cajon ("Kistentrommel"). "Den haben wir uns eingetreten!" witzelte Ulrich Haase, Chef dieses Orchesters aus Blas- und Schlaginstrumenten, als er im späteren Verlauf des Auftritts das Geheimnis um den jungen Mann lüftete. Klein-Wyatt aus dem Mansfelder Land hatte die coolen Musiker während eines Sommerurlaubs auf Usedom kennengelernt und auch um ihn war es sofort geschehen. Er wurde dort kurzerhand Stammgast bei den Auftritten des Orchesters. Und seitdem fahren Eltern und Großeltern von Konzert zu Konzert. Jetzt ist es soweit: Er steht mit seinen Idolen auf einer Bühne. Sein nächstes Ziel, "richtiger" Percussionist bei den Magdeburgern zu werden, erfüllt sich bestimmt auch noch.

Ein weiteres Erkennungszeichen der "Sax´n Anhalter" - neben der markanten Kleidung inklusive Sonnenbrillen - ist, dass sie sich beim Spielen unter das Publikum mischen. In der Katharinenkirche macht die Bestuhlung im fast ausverkauften Saal das den Musikern schwer. Doch auch hier werden immer wieder einzelne Personen vom Gang aus angespielt. Diese Vollblutmusiker spielen nicht nur für, sondern auch mit den Zuhörern. Sie posieren und geben Gelegenheit für ein Handyfoto oder fotografieren selbst mit wasserspritzenden Scherzkameras.

Dieses Orchester macht Spaß und begeistert. Durch seine Musik und durch seine witzige Art, sich in Szene zu setzen. Und so ist eines für den Stendaler Fan Mittendorf auch ganz klar: "Ich werde weiterhin versuchen, jedes Konzert von denen mitzunehmen. Wer nicht hingeht, hat was verpasst!"