Der Turm an der Tangermünder Putinnentreppe ist seit wenigen Tagen eingerüstet. Der Durchgang in Richtung Stadt bleibt trotzdem frei. In den nächsten Tagen wird dieser Teil der historischen Stadtmauer unter anderem ein neues Dach bekommen.

Tangermünde l Wenn die Tangermünder vom Putinnenturm sprechen, dann ist für die meisten nur der eine Turm gemeint - der östliche von beiden, jener, der ebenerdig zu erreichen ist. Doch an der Putinnentreppe gibt es zwei Türme. Direkt über der Treppe befindet sich ebenfalls einer, ist mit einer schmucken Eingangstür ausgestattet.

Geheimnis hinter der Tür ist gelüftet

Doch was sich dahinter verbirgt, war für die Stadtbediensteten zu Beginn dieses Jahres noch ein kleines Geheimnis. Der Grund: In der jüngsten Vergangenheit, also in den vergangenen Jahrzehnten, wurde dieses Stück historisches Tangermünde privat genutzt. Ein Tangermünder hatte den Schlüssel zu diesem Turm. "Es war tatsächlich ein Abstellraum. Der Bewohner des Nachbarhauses hatte den Turm genutzt. Doch alles wurde ausgeräumt und uns besenrein übergeben", erklärte jetzt Ariane Günzel, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung.

Jetzt wird damit begonnen, das Ensemble zu sanieren. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 50 000 Euro dafür ausgegeben werden. Diese Summe war im Etat eingeplant worden - Geld, das die Stadt zu einem Großteil aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz erstattet bekommt. 20 Prozent der Kosten müssen dabei stets von der Kommune selbst getragen werden. Geplant war, mit diesem Geld die Dächer beider Türme zu sanieren, Heizung und Elektroausstattung auf den neuesten Stand zu bringen.

Doch diese umfassende Planung wurde jetzt zurückgefahren. Lediglich die Dächer beider Türme bekommen neue Eindeckungen und die Schornsteinköpfe werden erneuert. Danach wird wieder abgerüstet, so dass Ende Oktober, Anfang November keine Baustelle mehr zu erkennen sein wird. 30 000 Euro kostet dieses Vorhaben nun noch, nachdem die Pläne zur Sanierung von Heizung und Elektroinstallation verworfen wurden.

Mietvertrag kam nicht zustande

Der Grund für die Reduzierung: "Es gibt aktuell keine Nutzer", berichtete Ariane Günzel. Noch im April hatte die Verwaltung davon gesprochen, mit dem Museumsverein der Stadt einen Vertrag schließen zu wollen, damit dessen Mitglieder den östlichen Turm für Vereinszwecke nutzen können. Doch dieser sei nicht zustande gekommen.

Die Putinnentürme, rechteckige Wehrtürme, die einst errichtet worden waren, um den Ausgang oder auch Eingang in beziehungsweise aus Richtung Tanger zu schützen, dienten schon verschiedensten Zwecken. Vor allem war es der östliche Turm, der immer wieder einer anderen Bestimmung zugeordnet wurde.

So war er unter anderem genutzt worden, um Bürger in Gewahrsam zu nehmen. Das erste Eichamt der Altmark befand sich darin von 1819 bis 1833. In den 1980er Jahren erinnerte sich der Putinnenverein unter Leitung von Günter Lange an die Existenz dieses Turm und nutzte ihn wieder regelmäßig. Der Verein war es auch, der bis vor wenigen Jahren immer mal wieder die Tür aufschloss, hier Vorträge anbot, Vereinstreffen absolvierte, hier eine kurze Zeit auch Kinder- und Jugendaktionen organisierte.