Stendal l Der für den 20. November anberaumte Zwangsversteigerungstermin für vier Plattenbauten in Stendal-Süd ist vorerst geplatzt. Dies bestätigte Gerichtssprecher Michael Steenbuck gestern auf Nachfrage. Im August war der Termin vom Amtsgericht veröffentlicht worden. Grund dafür, dass die Versteigerung verschoben werden muss, ist ein formaler Fehler. Einem Verfahrensbeteiligten konnte die Ladung nicht rechtzeitig per Zustellungsurkunde geschickt werden.

"Gerade, wenn die Ladungen ins Ausland versandt werden, kann es terminlich eng werden", sagte Steenbuck. Ohnehin ist die Situation in Stendal-Süd hinsichtlich der Besitzverhältnisse verworren und führt teils in die Türkei. Die Raks AG, die immer wieder als Eigentümer der Gebäude ins Spiel gebracht wird, ist lediglich "verfügungsberechtigt", wie die Stadt mitteilt. 2009 hatte die türkisch-aserbaidschanische Firma ME Real Estate den Komplex mit sechs Blöcken aus einer Zwangsversteigerung heraus erworben, allerdings nie die volle Kaufsumme dafür bezahlt.

2011 gab es eine weitere Zwangsversteigerung, bei der sich allerdings kein Bieter fand.

Schon damals hatte die Stadt Stendal als einer der Gläubiger das Verfahren angestrengt. Dies gilt auch für das neuerliche Verfahren, wie Stadtsprecherin Sandra Slusarek gestern bestätigte. Rückständige Grundsteuerforderungen seien die Grundlage dafür. Ein weiterer Gläubiger sind die Stendaler Stadtwerke, die nach eignen Angaben offene Forderungen gegen die Raks AG in Höhe von rund 150000 Euro haben.

Ein aktuelles Gutachten ist zunächst erforderlich

Ein neuerlicher Termin für eine Zwangsversteigerung wird sich noch hinauszögern, wie Sprecher Steenbuck bestätigte. Mittlerweile sei beim Amtsgericht die Erkenntnis erwachsen, dass auf jeden Fall mit einer neuen Ladung ein neues Verkehrswertgutachten in Auftrag gegeben werden muss. Das letzte Gutachten, das im August zum Zwangsversteigerungstermin mitveröffentlicht worden war, stammt aus Juni 2010.

"Es hat sich sicherlich einiges getan in Süd", so Steenbuck. Von daher sei es schlüssig, ein neues Gutachten zu erstellen. Ohnehin gelte eine Faustformel, wonach ein Gutachten höchstens rund drei Jahre alt sein sollte. Da die Stadt Stendal als Antragsteller von den Kosten befreit ist, muss das Amtsgericht dieses Gutachten bezahlen.

2010, bei Erstellung des zur Zeit vorliegenden Gutachtens, waren für die vier Blocks an der Hansa-Allee sowie der Lemgoer Straße und der Bremer Straße ein Verkehrswert von rund vier Millionen Euro angesetzt worden. Der Leerstand betrug seinerzeit 28 Prozent. 123 der 434 Wohnungen standen leer. Allein in den vergangenen Monaten sind Dutzende Mieter aus den maroden Blöcken, bei denen ohnehin schon die Trinkwasserzufuhr abgedreht worden ist, ausgezogen.

Auch der Bodenrichtwert, der vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation ermittelt wird, ist um ein Fünftel von 25 Euro auf 20 Euro je Quadratmeter gesunken.