Tangerhütte l Es war wohl der Einsatz des Jahres für die Tangerhütter Feuerwehr: Die Rettung einer 2,80 Meter langen Würgeschlange von einem Gehweg in der Tangerhütter Innenstadt (Volksstimme berichtete) sorgte in den vergangenen Tagen nicht nur bei der Feuerwehr für Gesprächsstoff. Auch im Internet wurde diskutiert, ob und wie derartige Tiere in privaten Wohnungen gehalten werden sollten.

Für die Männer an der Schlangenfront hat dieser Einsatz noch weitere Fragen aufgeworfen, die diskutiert werden müssen. So gab es weder in Stendal noch im Raum Magdeburg eine sichere Unterbringungsmöglichkeit für ein so großes Tier. Der Besitzer der geflüchteten Schlange soll selbst drei solcher Tiere halten, der Bekannte, der diese mitversorgte, weitere sechs Schlangen.

Vor diesem Hintergrund müsste doch zumindest eine Notunterkunft für Exoten wie diese in der Region eingerichtet werden, findet Gordon Müller. "Wer weiß, wie viele Schlangen noch in Tangerhütte wohnen."

Aber auch die Frage der Sicherheit der Kameraden, die im Brandfall, wenn Terrarien wegen der Hitze womöglich schon geplatzt sind, in eine solche Wohnung voller Schlangen und anderer Exoten müssen, wirft Kamerad Andreas Schilling auf.

"Wir haben nach dem Einsatz hier zusammen gesessen und uns gefragt: `Was ist, wenn sich im Qualm und Dunkel einer brennenden Wohnung plötzlich so ein Tier um dich ringelt oder gar zubeißt?" Sebastian Solich, Andreas Schilling, Matthias Brennecke, Michael Hecker, Gordon Müller, Stefan Schäfer, Dirk Komstke und Jens Wesemann waren als Schlangenbändiger vor Ort dabei.

Eine Ausbildung gibt es bei der freiwilligen Feuerwehr für solche Einsätze nicht, nur bei den großen Berufsfeuerwehren sei das üblich, erzählen die Männer. Eine Kuh und allerhand Katzen haben die Tangerhütter Kameraden schon gerettet, aber eine Schlange noch nie. Alle sind froh, den Spezialeinsatz, der wohl als ausgefallenster des Jahres in die Chronik eingehen wird, ohne größere Probleme absolviert zu haben. Aber auch für Einsatzleiter Sebastian Solich bleibt ein mulmiges Gefühl stehen.

Er blickt auf den Moment der Alarmierung am Sonntagnachmittag zurück, als die Nachricht von der Leitstelle einging, ein Netzpython solle an der Stendaler Straße in der Sonne liegen. Und von seiner anfänglichen Skepsis erzählt er auch. "Wir hatten keine Ahnung, was uns da erwarten würde, aber ich habe auch kurz an einen Spaß gedacht."

Vor Ort klärt sich schnell auf: Es ist kein Spaß, die gewaltige, rund 50 Kilogramm schwere Würgeschlange muss erst einmal eingefangen werden. Es stellte sich heraus, dass die Ausrüstung auf dem Einsatzfahrzeug den Dimensionen des Python nicht gerecht werden würden.

Weder der Sack, mit dem sonst andere Tiere eingefangen werden, noch eine an Bord befindliche Kiste hätten die Schlange aufnehmen können. Also holte ein Anwohner einen größeren Sack herbei. Mit einer Decke sorgten die Feuerwehrleute dafür, dass die Schlange Schatten bekam und in der Sonne nicht zu sehr austrocknete. Auf Sebastian Solich machte sie einen erschöpften Eindruck, "vielleicht war sie auch nur hungrig", sagt er.

Viele Schaulustige waren während des rund eine Stunde dauernden Einsatzes vor Ort dabei, auch eine fachkundige Anwohnerin, Heide Borstel, die früher die Zoohandlung in der Nebenstraße betrieb. Sie gab den Kameraden, wie auch die Leitstelle, die in Kontakt mit dem Tierpark in Stendal stand, Hinweise, dass die Schlange hinterm Kopf zu greifen sei. Mit vier bis fünf Mann packten die Feuerwehrleute das Tier, "die Schlange hat sich auch ganz schön gewehrt, das hat ihr nicht gefallen", sagt Andreas Schilling.

Mit dem Schwanz voran wurde sie in den Sack verfrachtet doch: "Wenn wir den Kopf drin hatten, war der immer schneller wieder raus als unsere Hände." Als der Sack dann zu war, kam das Tier in die Transportbox des Ordnungsamtsfahrzeuges und trat seine Reise Richtung Stendal an, bevor es dem Besitzer zurück gegeben werden konnte.

Der hat sich bis heute nicht bei den Schlangenbändigern von Tangerhütte gemeldet. Für die Männer von der Feuerwehr aber kein Problem: Sie rücken auch beim nächsten Notfall wieder aus - egal welches Tier dann auf sie wartet.