Das Sichern in absturzgefährdeten Bereichen stand für fünf Tangermünder Feuerwehrmänner am Wochenende im Mittelpunkt. Von Freitag bis Sonntag erfuhren sie sowohl theoretisch als auch praktisch, was bei solchen Einsätzen zu beachten ist.

Tangermünde l Den Kopf in den Nacken gelegt, ist ganz weit oben jemand an der Außenseite des gelben Kranturm zu erkennen. Dieser Jemand ist nicht etwa lebensmüde oder übermütig. Stephan Siefert von der Tangermünder Ortsfeuerwehr trainiert seine Fähigkeiten, um im Einsatzfall auch in großen Höhen Menschen helfen zu können. Für den ehemaligen Tangermünder Wehrleiter ist es eine Auffrischung des Wissens. Den Lehrgang hatte er vor wenigen Jahren schon einmal absolviert. "Es ist aber immer wieder anstrengend", gesteht er, nach 45 Minuten wieder festen Boden unter den Füßen spürend, sichtlich erschöpft und durchgeschwitzt.

Bis auf 35 Meter Höhe geht es für die fünf Teilnehmer am Sonnabend nach oben. Auch Sebastian Kempe, René Tangelmann, Daniel Göske und Jens Dittmann sind mit dabei - alle zum ersten Mal im Rahmen einer Feuerwehrausbildung. Lediglich Daniel Göske kennt das Gefühl, dem Himmel ein Stück näher zu sein als die meisten anderen. Er ist Zimmermann und war während seiner Lehrzeit unter anderem auch auf dem Dach der St. Stephanskirche unterwegs.

Doch nicht jedem ist wirklich klar, ob die Arbeit oder Rettung in Höhe etwas für ihn ist. "Deshalb ist es gut, dass hier jeder seine persönlichen Grenzen austesten kann", erklärt Jan Melzer. Der THW-Mann leitet die Ausbildung mit Fred Herrmann von der Tangermünder Feuerwehr. "Die ärztliche Tauglichkeit ist die eine Seite", sagt Melzer. "Doch ob es jeder persönlich kann, eine ganz andere." Und selbst wenn jemand beim Klettern versagen würde, "ist das nicht schlimm, denn die viel größere Verantwortung liegt beim Sicherungsmann am Boden". Der schütze den Kameraden vor dem Absturz, müsse hochkonzentriert Kontakt halten.

Aufgabengebiet wird breiter

Seit 2007 dürfen THW und Feuerwehren auf dem Gelände einer Kranbaufirma bei Arneburg üben. In diesem Jahr ist es der dritte Ausbildungseinsatz für die Ausbilder. "Die Bedingungen hier sind ideal", sagt Melzer. Denn der Kran habe ja in der Mitte die Leitern für den Aufstieg, sei damit das optimale Übungsobjekt. Der Ausleger werde ebenfalls genutzt. "Da müssen dann allerdings schon alle Handgriffe gut sitzen, und der Sicherungsmann ist dann ebenfalls mit oben."

Für die fünf Tangermünder Wehrleute ist der Auf- und Abstieg bis zur Kranplattform am Sonnabend Herausforderung genug. Auf einem Ausleger üben sie auch das horizontale Vorankommen. Doch der Kranausleger liegt auf der Erde.

Für Einsätze in der Höhe stehen der Tangermünder Wehr zwei Einsatzausrüstungen zur Verfügung. "Das Aufgabengebiet der Wehren wird eben immer breiter", begründet Wehrleiter René Tangelmann diese Anschaffung.

Im nächsten Jahr wollen die Tangermünder mit anderen Wehren, die ebenfalls im Besitz dieser Spezialausrüstungen sind, die Zusammenarbeit üben.

Dass die Kameraden tatsächlich dieses Wissen benötigen, wissen Fred Herrmann und Jan Melzer aus persönlicher Erfahrung. Als Mitglieder der Wehrsfeuerwehr des Zellstoffwerkes waren sie schon einmal auf einem Glasdach unterwegs, um ausgefallene Technik wieder in Gang zu bringen. Und sie retteten eine Kollegin aus dem Schornstein. Sie war während Kontrollarbeiten mit dem Baufahrstuhl stecken geblieben.

   

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