Stendal l 20 Jahre ist Björn jung. Er träumt von einem selbstbestimmten Leben. Die eigene Wohnung gehört für ihn dazu. Seit kurzem bewohnt er sie gemeinsam mit seiner Freundin, wie er noch Lehrling. "Da ist das Geld ganz schön knapp", sagt Björn fast entschuldigend und etwas verlegen. "Wir brauchen Küchenmöbel. Da hab ich gedacht, guck ich hier mal rein."

Björn ist nicht der Einzige, der dem Sozialkaufhaus in der Breiten Straße 49 am Sonnabend einen Besuch abstattet. Ein gutes Dutzend Gäste jeden Alters zählt Stephan Potthoff vom Verein "Help 2007" bereits in der ersten halben Stunde. Besser kann die Generalprobe für die Eröffnung des Sozialkaufhauses von Help nicht laufen. Geplant hatte der Verein sie ursprünglich für den 1. Dezember. Doch: "Die Resonanz ist schon jetzt so groß, dass wir am 3. November öffnen werden", sagt der Mann, der hier in Stendal der Ansprechpartner für den Verein ist und dessen Sozialkaufhaus leiten wird.

Der Name Help sei Programm - in jeder Beziehung, sagt Potthoff. Das beginne bei der Motivation der Menschen, die dem Verein das spenden, was er preisgünstig an Bedürftige abgibt. Seit das Sozialkaufhaus-Plakat an der Fassade des bislang leer stehenden Geschäftshauses hängt, sind unter ihnen auch Stendaler. "Es ist toll, wie offen die Menschen hier auf uns zugehen." Menschen wie Roland Kothe. Der Stendaler war am Sonnabend ebenfalls unter den ersten Besuchern des Sozialkaufhauses. "Man hat doch immer mal Sachen, die zum Wegwerfen zu schade sind. Wenn ich sie hierher bringe, weiß ich, das anderen Leuten damit geholfen wird. Außerdem finde ich gut, dass auf diese Weise auch wieder ein paar Leute Arbeit bekommen und die nördliche Breite Straße belebt wird."

Zum Konzept von Help gehöre auch, so Potthoff, mit den Leuten, die ins Sozialkaufhaus kommen, zu reden, Hilfe anzubieten, wenn man merkt, sie täte gut. Das meint nicht nur den Aufbau von Möbeln. Manchmal helfe es auch, zuhören zu können oder einen Rat zu wissen. "In Not geraten kann jeder. Aus ihr herauszuhelfen, sei ein sehr befriedigendes Gefühl." Potthoff weiß, wovon er spricht, hat selbst Arbeits- und Obdachlosigkeit erleben müssen.

Wilhelm Töller - er gründete 2007 den Magdeburger Verein Help und ist seither Vorstand - formuliert den Anspruch, an sich und seine Mitstreiter so: "Leute, die zu uns kommen, bringen Probleme mit. Wenn sie wieder gehen, sollen sie ein paar weniger davon haben und dafür ein Stück mehr Selbstwertgefühl mitnehmen." "Und wieder ein bisschen lächeln können", ergänzt Stephan Potthoff. Ein Verständnis von Hilfe, das Help landesweit mittlerweile in sechs solcher Häuser lebt. Ein siebentes wird am 3. November in Stendal öffnen.

Dann wird auch Björn wiederkommen. Der 20-jährige Lehrling aus Stendal wird seine Freundin mitbringen. Schließlich geht es um ihre erste gemeinsame Küche. Und wenn sie sonst noch das eine oder andere kleine Problem mitbringen - Stephan Potthoff ist ein guter Zuhörer.