An den beiden Flugzeughangars auf dem Stendaler Flugplatz wird seit Wochen gearbeitet. Eine Halle bekommt ein neues Dach, beide Hangars haben jetzt moderne Tore.

Stendal l Sie stehen unter Denkmalschutz, die beiden Hangars auf dem Gelände des Flugplatzes Stendal-Borstel. Nicht nur, weil sie vor 80 Jahren errichtet und die zwei letzten von ehemals sechs dieser Hallen auf dem Areal sind, sondern hauptsächlich wegen ihrer Dachkonstruktion. Auch wenn es in der Fachliteratur heißt, von diesem Typ gebe es noch Hallen an drei Orten - auch in Gablingen bei Augsburg und in Erfurt-Bindersleben -, kommt Matthias Jahn, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel, nach seinen Recherchen zu einer anderen Einschätzung: Flugzeughallen mit dieser Konstruktion gibt es vermutlich nur noch in Stendal.

Gebaut wurden die Hallen 1934/35 nach einem Patent des Dessauer Architekten und Flugzeugingenieurs Hugo Junkers. Seine Stahllamellen-Halle geht zurück auf eine Bauweise, die der Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger entwickelt hatte. Der baute mit Holz, Junker nahm Metall. Ein Werkstoff, der in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg knapp war. Darum kam Junkers Patent gerade recht, denn mit dieser Bauweise wurde - im Vergleich mit anderen Konstruktionen - für das Dach nur die Hälfte an Material benötigt. Der Vorteil: Es wurden kleine und leichte Bauteile verbaut.

Die Bausubstanz des Mauerwerks der Hallen war vor Jahren geprüft worden, daran muss noch nichts gemacht werden. Aber nachdem vor zehn Jahren das Dach eines Hangars in Eigenleistung repariert worden war, musste nun das gewölbte Dach der zweiten Halle repariert werden. Es bekommt zwei neue, wasserabweisende Lagen Dachpappe, zudem wird die Regenrinne erneuert. "Das ist keine Luxussanierung", sagt Matthias Jahn, es werde das Notwendige gemacht.

Dazu gehören auch Tore für beide Hangars. Sie ersetzen einen Teil der großen, schon 80 Jahre alten Tore, die durch Schieben seitlich "gefaltet" und so manuell geöffnet werden müssen - das kostet Kraft, es müssen mehrere Helfer anpacken. Bei jedem der 90 Meter breiten Tore wurde ein Stück herausgenommen, in die "Löcher" wurden die neuen eingebaut. Diese falten sich mittels Seilzug nach oben, werden von einem massiven Gerüst getragen und auf Knopfdruck elektrisch betrieben - eine wirkliche Erleichterung. Eingesetzt sind sie so, dass sie jederzeit wieder ausgebaut werden können, wenn der historische Zustand hergestellt werden müsste. Möglich wäre das, denn die herausgenommenen Torteile werden gelagert und könnten wieder eingesetzt werden. Es war eine Auflage des Denkmalschutzes, dass die Reparatur- und Torarbeiten ohne Eingriff in die Substanz erfolgen. Das Geld für die Arbeiten, die im September begonnen haben und in etwa zwei Wochen abgeschlossen sein sollen, kommt vom Land Sachsen-Anhalt, aus einem Förderprogramm für Häfen und Flughäfen - mehrere hunderttausend Euro.

Beide Hangars werden genutzt. Eine der jeweils 110 Meter langen Hallen ist an den Aero-Club vermietet, der dort Flugzeuge unterstellt. Ganz eng zusammen, könnten bis zu 100 Flugzeuge Platz finden. In der zweiten Halle lagert der Landkreis Stendal Sandsäcke und anderes Katastrophenschutzmaterial, die Stadt Holzhütten. Auch in diesem Hangar stehen Flugzeuge. Nach ihrer Errichtung waren die Hallen von der Deutschen Wehrmacht für die Ausbildung von Fallschirmjägern genutzt worden.

Bilder